Plötzlich stampfte Irene mit dem Absatz auf und schrie: „Herrgott, warum muß denn nur alles so verkehrt kommen! Warum liebt ihr euch denn nicht, Klemens und du, statt daß —“ Sie brach verwirrt ab. „Nein, wir hassen uns ja ...“ Sie schien völlig den Faden verloren zu haben, schüttelte sich auf einmal, kam auf Renate zugeflogen, warf sich vor ihr an den Boden, umschlang sie und schluchzte jammervoll:

„Ach, ach, ich muß dirs ja gestehn, ich hab mich nur so herumgeredet, es ist ja so eine furchtbare Schande, aber ich muß —“ sie schüttelte sich krampfhaft — „ich muß es dir sagen, er hat — er hat mich — er hat mich ja so wahnsinnig gedemütigt! Ach, angeschrien hat er mich wie ein Sinnloser, niedergedonnert hat er mich — ach, Otto! Otto!“

„Wie, Otto hat ...“ fragte Jason.

Irene sprang auf und flammte ihn an. „Otto, bist du ganz rasend? Er, er, er, Klemens! Auf einmal ist er ganz blau im Gesicht geworden, ich weiß nicht, ich muß ihn wohl gereizt haben, und dann hat er gelärmt ...! Was das für eine Schande mit mir wäre, dies kindische Wesen, und alles Alte hat er wieder aufs Tapet gebracht, und ich gönnte ihm seinen Freund nicht, und den Mund sollte ich halten und —“

Ihre Stimme erstickte wieder. Renate konnte es nicht mit ansehn, wie sie dastand und sich erniedrigte, schüttelte den Kopf, mußte sich aber nun doch sagen, daß an allem schließlich etwas Wahres sein müsse, nicht alles allein Irenens Schuld sein könne; sie konnte sich aber in der Erinnerung an den Nachmittag mit Klemens ihn in keiner ungebührlichen Haltung vorstellen.

„Wie du dich erniedrigst, Irene!“ entfuhrs ihr unbedacht. Irene zischte wieder empor.

„Ich will mich erniedrigen!“ schrie sie wütend. „Und was er schaffte, das sei mehr wert ... brüllte er, und eine Stimme hat er gehabt, daß alles Glas nur so klirrte, und die Wände haben gezittert, und ich saß da wie versteinert. Das in meinem Haus!“ Fliegend, jauchzend, zitternd, frohlockte sie: „Wahnsinnig hasse ich ihn, wahnsinnig! o ich hasse ihn, ich hasse, ich hasse ihn. Käme er nur, käme er nur noch einmal und ... ach, ich wollte, er täte es noch einmal!“

Das könnte sie haben, meinte Jason gefällig, er hörte Klemens eben draußen klingeln.

Renate vernahm seine Worte nur halb, mit den Augen an Irene hängend, die wie eine Eumenide vor ihr wogte, die Arme schleudernd, als stäken Dolche in den Händen, und alle Locken hatten sich aufgerichtet um ihren Kopf und bebten und zürnten mit.

„Wißt ihr, was er getan hat?“ zischte sie. Mit funkelnden Augen von Renate zu Jason und zurück, hob und krümmte sie den rechten Arm, hob die Hand und machte eine klappende Bewegung damit. „Verstehst du, Renate?“ Renate verstand und reckte sich innerlich. „Verstehst du, Jason? Ja, nicht wahr, das habt ihr doch nicht gedacht, das habt ihr —“ Ihre Stimme und sie selber schwankte.