„Also nicht?“ rief Renate erleichtert.

„Keine Idee! Ich habe bloß so getan“, verteidigte er sich.

„So getan?“ sagte Jason. „Das ist glänzend.“ Zufriedengestellt, wie es schien, drehte er sich ab, ging in den Hintergrund und sagte wie zur Erklärung: „Ein Mensch ist nicht mehr als der andre, wenn er nicht mehr tut als der andre.“

Klemens sah ihm mißtrauisch nach, äußerte dann zu Renate: „Ich kann Ihnen das leider nicht vormachen.“ Nun wandte er sich zu Irene, die langsam aufgestanden war und zu schwanken schien, ob sie ihn ansehn sollte, und sagte:

„Ja, also Frau Irene, ich bin noch einmal gekommen, — es wird mir nicht leicht, und ich habe wohl auch eigentlich —“

Er wollte auf sie zugehn, aber Irene, einen Augenblick geduckt, ging ihm plötzlich entgegen, streckte ihm die Hand hin und murmelte:

„Ich bitte Sie um Verzeihung, Klemens, ich hatte Sie wohl zu sehr gereizt, und — ich bitte Sie um Gottes willen ...“

Klemens ergriff tief erstaunt ihre Hand und brachte kaum den Mund zu. Irene ließ wieder los, ging wie geistesabwesend zur Flurtür, murmelte: „Wohin will ... wohin soll ich denn nun? Ach so, nach — nach Hause ...“ Dann schluchzte sie tief und furchtbar auf.

Renate lief hastig um die Sessel und zu ihr hin, erreichte sie in der Tür, legte den Arm um ihre Schulter und ging mit ihr hinaus. Sie wagte jetzt kein Wort, Irene raffte sich auch wieder zusammen, ging gefaßt in die Kleiderablage, ließ sich von Renate in die Jacke helfen, setzte die Mütze auf, knüllte den Schleier zusammen und steckte ihn ein. Nach einem Blick in den Spiegel holte sie ihn wieder hervor und band ihn mit zitternden Fingern um; Renate half ihr.

„Gute Nacht“, sagte sie leise. Renate wollte sie an sich ziehn, aber sie schüttelte trübe den Kopf und ging hinaus. Renate blieb ratlos zurück.