Lange Zeit saßen sie schweigsam. Dann hörten sie, daß der Maler aufstand und gegen etwas im Dunkel stieß. Und dann hörten wohl nur Magda und Esther Jason sprechen, kaum vernehmbar leise:

„Wenn wir jetzt Licht machen, und jemand, der vielleicht unten steht, so ein Orest, sieht den sanften grünen Schein unseres Fensters hier oben, der weiß nichts von den drei Gesichtern und von den Leben und den Schicksalen, die wir sind. Der denkt nur: Dort oben muß es schön sein ...“

Seine Stimme erlosch, und als sie ihn gleich darauf wieder sprechen hörten, schienen es ihnen Verse zu sein, doch vernahmen sie, ein jeder in sich selber versunken, nicht mehr davon als eine ferne Musik ohne Worte. Bald darauf stand Magda auf, ging zwischen Esther und Jason hindurch zur Wand und drehte die Kurbel für das Licht; als es aufflammte, kniffen sie Alle geblendet die Augen zu, und Esther sagte, die Handrücken gegen die Lider drückend: „Aber Jason, nun sind es doch vier Schwestern gewesen, davon drei böse und nur eine gut!“ Indem ging Magda schon durch das Zimmer, öffnete die Tür, wandte sich noch einmal, grüßte müde und gütig und verschwand. Auch Jason schien zu lächeln, sagte aber nichts, und so trat denn Maler Bogner, der älter war als sie Alle, auf das Mädchen zu, legte eine Hand auf ihren Kopf und sagte freundlich:

„Das Gute, Esther, ist doch immer in der Minderzahl.“

Sprachs, nickte und ging hinaus. Esther folgte still, als letzter Jason, der das Licht wieder löschte.

Die Verse aber, die er gesprochen hatte, lauteten folgendermaßen:

O Nacht! O Tiefe! Drunten auf den Stufen,

Du weißt es, schläft die Eumenide nun ...

Noch ist die Gottheit leise anzurufen,

So wird dir, was du sehntest: du wirst ruhn.