„Nun bist du ja wie eine Taube, Anna ...“

Sie blieb stehen, so daß auch er halten mußte und sich zu ihr wenden, sah ihn sanft an und sagte:

„Anna nennst du mich? Ja, behalte nur den Namen.“

Dann ging sie weiter, dem vorausgewanderten Jason nach, indem sie anfing, von Renate zu erzählen, und daß sie nun zweimal allwöchentlich einen Quartettabend hätten; Saint-Georges spiele die Bratsche oder zweite Geige, Irene die erste, Sigurd Birnbaum Cello, „— kennst du ihn nicht von der Schule her?“ — und Georg nickte. — Benno Prager, Ulrika und Renate wechselten am Klavier. — Auch Trios spielten sie, Mittwochs würde geübt, Sonntags müßte gekonnt werden.

„Und wenn du magst, Georg, kannst du gern zuhören kommen. Ich habe mit Renate darüber gesprochen.“

Georg zuckte stark. Aber das — — nein das — — Sie wußte ja nicht, was sie tat. Aber er konnte es nicht hindern, daß ein Freudegefühl mächtig und mächtiger seine Brust aufdehnte, die Angst daraus — nein, das Bittere der Angst vertrieb und Süßes hineinflößte. Er richtete sich innerlich auf, straffte seine Haltung, und die Welt sah plötzlich sonniger aus.

Schon hatte er, den Türschlüssel in der Hand, das geheime Gefühl, eine andere als die kleine grau gestrichene Tür hier aufzuschließen; leichtfüßig, die vier Stufen überspringend, strich er voraus durch den Flur und schlug die Tür zu seinem schönen Zimmer auf, — zum blassen Egon, der hübsch in der Gartentür lehnte, hinunterrufend, daß Unkas draußen stehe.

Ja, es war schön. Magda schlug die Hände zusammen und machte nur große Augen. Zwischen den klarweißen Vorhängen der hohen Fenster, im Schatten des dunkelgrünen Wandstücks hinter ihm, saß der ernste, dunkle Pensieroso und sann nach über die Welt. Es war ganz feierlich. Von überall her schimmerten oder funkelten die erlesenen Farben der Kleinode auf den Bücherregalen, leuchteten die Farben der Frühjahrsblumen, rote und hellgelbe Tulpen, ein tiefvioletter Busch Veilchen, Narzissen, gelbe und weiße, hängende stark blaue und rote Petunien und ein riesiges Gebüsch lichtgelber Mimosenblüten. Jason stand schon unten und untersuchte aufmerksam die hölzernen braunen Apostel unter dem Treppendach.

„Nein, die Lilien!“ sagte Magda mit Andacht. Steil aufrecht, edel und großmütig erhoben sie sich über den dunklen Pensieroso.

„Nein, meine Bucharas!“ sagte Georg und sah zu seiner Freude zum erstenmal wieder rasches Leben durch Magda fluten, die nun die Stufen hinunterlief, sich auf die Teppiche bückte, ja sogar sich niederwarf, um sie zu streicheln.