„Bogner, bin ich so ungeschickt gewesen?“ klagte sie draußen. „Wenn ich nur Saint-Georges gefragt hätte, der weiß immer alles. Sie zucken natürlich die Achseln.“

„Ich,“ meinte der Maler, „wenn ich er wäre ...“

Renate hob die Schultern, machte ein feindliches Gesicht und stieg schnell und mit möglichster Ruhe vor ihm treppab.

Unten aber zwang etwas sie, stehen zu bleiben, sich nach ihm umzuwenden und zu fragen: „Wollten Sie mir nicht noch etwas erzählen? In Ihrem letzten Brief ...“ Der Maler nickte, meinte aber, es fände sich wohl einmal eine Zeit, wenn er erst am Malen sei und nicht könnte.

„Ach, ihr seid eine Horde von Egoisten!“ lachte Renate, „wie soll das überhaupt mit der Malerei werden, Sie malen womöglich den ganzen Tag?“

Kohleaufrisse, sagte er, könne er auch nachts machen, aber die Musik würde ihn gewiß nicht stören, nein, Musik sei sogar ein ganz ungemeines Geräusch.

„Himmel, Maler!“ brach sie aus, „denken Sie denn nun wahrhaftig nicht daran, daß Sie uns stören könnten?“

Sie lachten Beide; nein, er hatte nicht daran gedacht, versicherte aber nun, daß er ganz wenig Platz brauche, und versprach, immer nur an einem Fenster zu malen.

„Sie waren doch auf der Schule mit Erasmus,“ sagte sie plötzlich, „wie machten Sie es denn da, wenn er nicht wollte wie die Andern?“

Sie standen in der Veranda. Der Rasenplatz war leer, von der Kapelle her tönten Orgelklänge gedämpft, nur Irene stand neben Bogners Rad, sanfthüftig und anmutig in ihrem, gegen die Füße leicht verjüngten weißen Kleid, und drückte vergeblich an Bogners Huppe herum, ohne einen Ton herauszubekommen. Die schöne Nachmittagsglut fiel in breiten Streifen durch das Gartengrün, und darüber standen sie schweigend. Im Rasen erglänzte hier und da ein Stück von einem bunten Reifen. Der Maler sagte laut: „Beide Hände! Mit beiden Händen gehts!“