Esther nämlich war entsetzt aufgesprungen und stand nun, mit den Füßen heimlich ihre halbverlorenen Schuhe angelnd, etwas gekrümmt, die Hände auf den Knien, mit den Armen ihr Kleid am Leibe festdrückend, lächelnd und errötend —, ja so stand sie dicht neben dem großen grünen Lampenumhang ihr zu Häupten. Georg stellte vor, aber darauf hörte niemand; endlich fragte Ulrika: „Georg, was ist dies? Ein Märchenfisch?“

„Es ist Esther“, sagte er.

„Aus der Bibel?“

„Freilich, freilich!“ — Und da gingen sie Alle herum um Esther und verneigten sich, sogar Bogner, auch Benno, aber schrecklich verlegen. Saint-Georges schlug vor, daß sie es vormachen sollte. Was? — Nun, das aus den Stücken in Esther, ob sie die Stelle nicht kennten? — Nein! — Also mußte Georg eine Bibel herbeischaffen, und er hatte wirklich eine, eine Kunstbibel, so groß wie der Tod. Saint-Georges schlug auf und las:

„Und am dritten Tage legte sie ihre täglichen Kleider ab und zog ihren königlichen Schmuck an.

„Und war sehr schön, und rief Gott den Heiland an, der alles siehet, und nahm zwo Mägde mit sich, und lehnete sich zierlich auf die eine, die andre aber folgete ihr und trug ihr den Schwanz am Rocke.

„Und ihr Angesicht war sehr schön, lieblich und fröhlich gestalt; aber ihr Herz war voll Angst und Sorge.

„Und da sie durch alle Türen hinein kam, trat sie gegen den König, da er saß auf seinem königlichen Stuhl in seinen königlichen Kleidern, die von Gold und Edelsteinen waren, und war schrecklich anzusehen.

„Da er nun die Augen aufhub, und sahe sie zorniglich an, erblassete die Königin und sank in eine Ohnmacht und legte das Haupt auf die Magd.“

„Da wandelte Gott dem Könige sein Herz zur Güte ...“