Ja, so wollten sie es machen! „Lieblich und fröhlich gestalt“, sagte Georg, es paßte alles genau, und er wollte die eine Magd machen, Sigurd sollte König sein, aber der wollte nicht, denn er wäre nicht schrecklich anzusehen, was Esther auch fand, aber das tat sie nur, um davon zu kommen, und sie protestierte auch gegen Georgs Magdtum, und Ulrika fand wieder, daß sie zu schlecht angezogen sei als eine königliche Magd, aber Georg hatte schon einen anderen Kimono aus seiner Truhe geschöpft, der war so blaßgrün wie ein Morgenhimmel und war zu vielen Teilen bedeckt mit einem Gewimmel von ganz rosa Wölkchen, silbergerandet, echt japanische Stickerei, also verschwand sie mit ihm und Esther strahlend im Speisezimmer, um sich anzuziehn, denn von dort wollten sie hereinkommen, und sie wollte beide Mägde zusammen darstellen.

Unterweil tranken sie ihren Tee, und Benno berichtete nachträglich sehr errötend, daß er auf dem Wege von seiner Wohnung hierher nirgend die Kurbeln für das Licht habe finden können, und so seien sie entsetzlich furchtsam den Korridor herangetappt, denn Ulrika hätte geschworen, es seien überall Schächte und Wolfsgruben in diesem alten Palais, Saint-Georges aber hatte versichert — Benno krümmte sich vor Schamhaftigkeit und Gelächter —, die Wege zu den Dichtern wären immer dunkel, und dann hatte er einen Schüttelreim gemacht zum Totlachen, und Ulrika, die alles durch die offene Tür hörte, lachte schon und schrie: „Nein, wie dumm! Aber herrlich war er! Sagen Sie ihn, Benno!“ Und Benno brachte wirklich den Schüttelreim heraus, und er hieß:

Ein Dichter bei den Milben saß

Und lernte sie das Silbenmaß.

Herr du meines Lebens! Georg wollte sterben vor Lachen. Er fiel auf seinen Stuhl am Schreibtisch, spreizte die Beine von sich, hob den linken Arm hoch und ließ die Hand wie eine Traube auf seinen Kopf hängen. „Und lernte sie das Silbenmaß!“ rief er, „das ist großartig! Das ist ganz großartig! Das ist sogar keß!“

Im nächsten Augenblick schrie Ulrika: „Fertig! Ist der König auch fertig?“ Flugs wurde der Schreibtisch beiseite geschoben, ein Sessel vor die Treppe gerollt, der Vorhang vor die Fenster gelassen, — die große Mondkugel schwebte milchbleich in Lüften auf und verwandelte den Raum in eine geheimnisvolle Palastgegend voll feenhafter Dämmerung, Sigurd setzte sich majestätisch zurecht und rollte die Augen, und da kamen sie nun herein, Esther wie zuvor, die Stirn süß gesenkt, ängstlich genug, Stirn und Wangen überflogen von Erröten, hinter ihr Ulrika in fließenden Himmelsmorgenfarben, weit zurückgelehnt, die Schleppe in ausgestreckten Händen, die Augenlider tief gesenkt, das dunkelrote Haar in zwei dicken langen Zöpfen neben den, im grünlichen Licht durchscheinenden zarten Wangen herabhangend. Ja, das war ein bezaubernder Anblick, die Männer zu beiden Seiten sanken mit flach zusammengelegten Händen auf die Knie und sangen nach der schönen Melodie: ‚Reich mir deine Hand! deine weiße Hand!‘ die Worte: „Schenk mir einen Kuß! schenk mir ei—nen Kuß!“ Esther aber sah den König angstvoll an, wankte zierlich und wurde auf das anmutigste aufgefangen. Dann stand sie wieder, schleuderte aber plötzlich wider alle Verabredung ihre Holzschuhe links und rechts den Männern an die Köpfe und stürzte sich, dunkelgoldumwogt und nacktfüßig in die Arme ihres königlichen Bruders. Georg sagte: „Das ist ein duftender Abend!“

Drittes Kapitel: Juli

Die Friedliebende Gesellschaft

Renate saß am Abend des ersten Juli, ihres Geburtstages, am Schreibtisch und schrieb im letzten Licht des Sommerhimmels:

„Mein lieber Josef: