„Wirklich,“ fuhr Georg fort, „die allgemeine Liebe empfindet und wünscht nichts als gesteigerte Freude, gesteigertes Dasein; jene Beiden aber fühlten die letzte, höchste Steigerung, überlebensgroß, in den Tod, unbewußt schon in der ersten Umschlingung, und so erreichten sie die Dauer.“

„Im Tod?“ fragte der Maler von fern. „Nein, das ist vorläufig noch nichts für mich.“

Ja, wo aber die Leidenschaft bleibe? hielt Georg hartnäckig fest. Bogner streckte die Hand aus und deutete auf seine Engel, einen und den andern, den posaunenden, den wandelnden mit der Gitarre, den reisigen mit der Harfe. Georg senkte niedergeschlagen den Kopf.

„Unbewußt in der ersten Umschlingung?“ fragte der Maler, gutgelaunt, wie es schien. „Wie Sie das so wissen können! Ich will Ihnen aber etwas erzählen. Nämlich, als ich siebzehn Jahre alt war, also mitten in der schönsten Erstlingsglut, liebte ich ein Mädchen, etwas älter als ich, für mich wunderschön, klüger, tapferer und sanfter als ihre Schwestern.“

„Die Frauen,“ sagte Georg, da der Maler innehielt, „die Frauen, das glaube ich nun, sind an und für sich nichts; aber es kann alles aus ihnen werden. Jeder, möchte ich sagen, jeder Mann findet zur Zeit diejenige, aus der er machen kann, was er im Augenblick braucht. Sehr gut sind sie. Und so unendlich geduldig!“

Georg, Magdas arme Gestalt mit wehmütigem Gedenken umfassend, hörte den Maler weitersprechen:

„Zur selben Zeit geriet ich an den Scheideweg. Dort mein Vater und sein, hier ich und mein Wille. Entschied ich gegen ihn, so wars auch gegen sie, denn dann ging ich fort, und sie mußte bleiben. Sie half mir beim Fortgehn, ja, das tat sie. Dafür bin ich ihr dann treu gewesen, so gut ich es konnte, und habe auch jedes spätere Mal für mich und gegen die Liebe entschieden, denn, sehen Sie, das wollte ich sagen: damals, ein für allemal, entschied sich für mich diese Angelegenheit.“

„Was ist aus ihr geworden?“ fragte Georg.

„Danke. Sie hat es gut überstanden. Sie war, wie gesagt, tapfer. Sie ist mit einem Kaufmann verheiratet, hat vier Kinder, und alle sind gesund. Ich sehe sie zuweilen. Stattlich sieht sie aus, gewiß nicht, als ob sie jemals vor einem Menschen auf den Knien gelegen und gefleht hätte: Um Gottes willen, geh! geh, ehe ich dich halte! —“

„So sind Sie wohl Beide Ihrer Bestimmung treu geblieben“, mußte Georg, wie ihm schien nicht sehr tiefsinnig, bemerken, und der Maler erwiderte nur zerstreut, ja, ja, er habe ja auch gar nichts dagegen einzuwenden, und griff nach seiner Pfeife.