Jason schwieg so lange, daß Esther fragte: „Nun, sprachet ihr gar nichts miteinander?“

„Doch,“ erwiderte Jason, „aber wir schwiegen viel länger, als ich eben geschwiegen habe. Dann fragte ich den Maler, ob wir uns nicht unterhalten wollten, und er fragte wieder: Ja, wovon? — Ich schlug vor, wir wollten Aphorismen sagen, — aber nun, er redete sich aus, er könnte das nicht.“

„Ja,“ sagte Esther erstaunt, „kann man denn das so?“

„Oh, gewiß. Falls du mich nicht mißverstanden und gemeint hast, ich hätte gesagt, Aphorismen machen statt Aphorismen sagen. Ich bin angefüllt mit Aphorismen.“

„Zum Beispiel?“ fragte Georg.

„Dies“, erwiderte Jason, „ist eigentlich mehr ein Kalenderspruch: Nichts ist so imaginär wie der beständig geküßte Hund einer jungen Dame.“

Esther dachte angestrengt nach und brachte schließlich heraus, sie verstünde das nicht.

„Oh kleine Esther,“ erklärte ihr Georg, „es befinden sich doch lauter imaginäre Liebhaber in dem Hund.“

„Nun ein andres“, sagte Esther.

Jason, der schon längere Zeit mit einem von Esthers dänischen Handschuhn spielte, die neben ihr auf der Bank lagen, hob ihn jetzt ans Gesicht, roch daran und sagte, es wären gleich zwei auf einmal in dem Handschuh. „Wißt ihr,“ fragte er, „was die traurigste Freude ist? Das ist der Parfümduft aus Frauenbriefen, die man spät in einer Schieblade findet. — Und nun, Esther, wenn ich dich liebte, würde ich zu dir sprechen: Deine Hand im Handschuh ist nur ein Körper, aber der Duft aus dem leeren ist Wesen.“