Jason schwieg, rückte ein wenig und schien ans Fortgehn zu denken.

„Sage, Jason,“ fragte Esther, „hast du nun wirklich gar nicht daran gedacht, dir von dem Maler Bilder zeigen zu lassen, da du einmal dawarst und doch kein Mensch herausbekommt, wo er wohnt?“

Nein, Jason hatte nicht daran gedacht. Er schien geistesabwesend.

„Es waren so viele Bilder da,“ sagte er, „ringsherum, der ganze Himmel voll. Vielleicht“, sagte er aufstehend, „habe ich mir eingebildet, er hätte sie alle selber gemalt.“

Sprachs, nickte ihnen leutselig zu und ging davon. Sie mußten ihm nachsehn, wie er an den Gebüschen hinstreifte, ein wenig geduckt, die Knie leicht eingedrückt, den Strohhut im Nacken, die Hände auf dem Rücken, schmal in seinem feinen Rock von schwarzem Tuch, und so schwand er den Weg hinunter um die Ecke, und es war nicht ersichtlich, ob er nicht nur das äußere Verschwinden abgewartet hatte, um gänzlich fort zu sein, weg, nicht mehr vorhanden oder vielleicht schon in Südamerika. Esther und Georg aber taten ihre Augen zusammen, nickten sich zu und sagten, daß es ab und an gut sei, Jason zu hören.

Drei Gespräche: Das zweite

Georg, Sigurd und Benno saßen spät abends beisammen; Georg, wie er es gern tat, in seinem Armstuhl, den er mit der Rücklehne gegen den Schreibtisch gedreht hatte, so daß er zur Kaminecke hinüber sah gegen den grünen Lampenumhang, — und rechts dort saß Benno, in seinem Sessel so tief, daß er Georg unsichtbar war hinter den dunklen Figuren und dem breiten Dach des Treppengeländers: nur sein obenliegendes Knie war zu sehn, hell glänzend dicht unter der grünen Tischdecke im nach unten fallenden Licht. An der anderen Seite hatte Sigurd sich in den breiten Ledersessel zurückgelegt, das Gesicht nach oben gewandt, das linke Knie so hoch gegen die Schulter gezogen, daß er die Hände dicht überm Fußgelenk falten konnte, das auf dem rechten Knie lag. Georg hatte, da sie eben damit beschäftigt waren, sich nach Kräften an- und auszuschweigen, Muße genug, ihn zu betrachten, diesen erstaunlich Schönen; sein dunkelhäutiges langes Gesicht glänzte leise aus der Dämmerung wie etwas Gegossenes; ein Lichtfunke, in jedem Auge hängend, machte sie starr in aller düstern Lebendigkeit. Schön im Schweigen formte sich der volle Mund.

Georg dachte in behaglicher Zufriedenheit über ihn nach. Sich erinnernd, wie er in dem dunkelroten Mantel hohepriesterlich bei so viel Jugendlichkeit erschienen war, dachte er, daß noch kaum ein Mensch — und am seltensten eine Frau — so das Empfinden ihm bekräftigt habe, es müsse im schönen Leibe auch eine schöne Seele wohnen. Renate — ja — eigentümlich: ihr Glanz war so außerordentlich, so vollkommen, so nichts mehr zu wünschen lassend, daß man nichts begehrte außer eben ihn, — und doch nein; war es nicht seelisches Feuer allein, das, ihre Züge und Farben durchglühend, sie in solche Harmonie und solches Leuchten versammelte? Also war vielmehr dies das Absonderliche, daß aus Renate Einheit strahlte; hier, aus dem Manne dagegen nur Eines, das ein Zweites ahnen und wünschen ließ, — und so sehr, dachte er, ist also Schönheit etwas Nebensächliches, etwas Störendes fast beim Manne, dessen Geist und Seele allein es sein sollten, die Licht verbreiten. Ja, und Esther, wie war es mit der? Hatte sie wohl eine Seele überhaupt, oder war da alles — nur süß; bis hinab in das Innerste? Ach, kleine Esther, kleine Chinesin, bin ich nun eigentlich verliebt in dich? und wenn wirklich, wie wäre das möglich in Anbetracht Renates? — —

„Wie doch das Schweigen tönt!“ hörte er da Benno träumerisch sagen. „Wir sind ja ein Dreiklang.“

„Dur oder Moll, Benno?“