„Ich weiß nicht, Georg. Musik der Seelen — und die ist es doch, die ich höre — weiß wohl von irdischen Tonarten nichts, und dort ist das innerlich Selige von Dur und Moll ein unirdisches Gemisch.“

„Ja — dort, Benno, nicht wahr? Aber wir sind hier und müssen immer heiter oder traurig sein. Es ist aber schön zu denken, was du sagst.“ Georg schwieg.

Nach einer Weile zogen ihm sanfte Verszeilen durch die Erinnerung, und er sagte langsam auf:

„Die Linien des Lebens sind verschieden

Wie Wege sind und wie der Berge Grenzen.

Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen

Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.“

Sie schwiegen lange.

Benno sagte: „Ergänzen, ja. Zu Moll das Dur und zu Dur das Moll; und doch wird es Ergänzung nicht allein sein, sondern das — andre, das — von hier, wird mit darin sausen, und das wird die Vollkommenheit sein, die weder Dur ist und weder Moll. Und das hat Bach gewußt.“

Es war wieder still. Georg versank in ihm selber Unbewußtes.