Sie lächelte. „Das ist eben das Gute an uns, daß ihr von uns überall hingeraten könnt! Ihr müßt immer bei uns anfangen, ihr Männer.“
„Und von überallher zu euch zurückkommen“, schloß Georg lachend. „Ihr seid der Kreis und seid im Mittelpunkt.“
„Ja, Kreis“, wiederholte Sigurd, am Schreibtisch stehend, Georgs Malaiendolch in der Hand. „Was ist mit dem Brief?“ schloß er kurz.
Esther erklärte munter, wie sie, um den Brief in den Kasten zu werfen, vor die Tür gegangen, wie die Nachtluft so herrlich nach dem Regen gewesen sei und nach nassem Pflaster geduftet habe, daß sie hergelaufen sei, um Sigurd abzuholen, — und den Brief habe sie dabei in der Manteltasche vergessen. Georg verschlang sie mit Augen dieweil und hörte kaum ihre Worte. Sigurd nahm ihr den Brief wortlos fort, während Georg, ihr aus dem Mantel helfend, freundschaftlich fragte: „Für wen ist denn der dicke Brief, kleine Esther?“
„An meinen Verlobten,“ hörte er sie abgewandt sagen, und einen Stich im Herzen, fiel ihm ein, daß Sigurd ihm ja etwas hatte mitteilen wollen, Esther betreffend. Was konnte das wohl gewesen sein? — —
Nun saßen sie schweigend alle Vier, bis Esther mahnte: „Sagt doch was, Kinder, seid ihr immer so schweigsam?“
„Ja, Benno!“ — Benno saß ganz grade auf dem Vorderteil seines Sitzes, dieweil eine Dame zugegen. — „Benno hat den ganzen Abend noch nichts gesagt. Also Benno ...“
Benno lachte erschütternd. Er habe alles, was ihm für heute zu reden gegeben sei, schon vor Esthers Anwesenheit gesagt. „Nun müßt ihr reden!“
Esther schlug vor, Georg möge etwas vorlesen.
„Ja, Georg!“ bat Benno schmelzend und glitt erwartungsvoll unbedacht tiefer im Sessel, richtete sich aber gleich wieder auf. Georg wehrte jedoch ab; er habe nichts Rechtes. Als Sigurd nun aus der Ecke am Kamin fragte, ob und was Gutes Georg zurzeit lese, fühlte er einigen Ärger über Sigurds schlankes Abbiegen und sagte nachlässig bloß: „Jean Paul.“