„Das sind wir. Herz und Intellekt wohnen bei uns näher zusammen als bei euch.“
„Und darum überschätzen Sie das Wort!“
„Ach das Wort, Georg, doch nicht das Wort!“ Benno lief aufgeregt mit schwingenden Armen in den Raum. „Wie wäre es dann mit der Musik, die wortlos ist? Wärens da Töne, Akkorde, Septimen, Quinten und Quarten? Ist es nicht —“
„Und die Musik,“ rief Georg aufspringend und sich zu ihm drehend, „die Musik, da du davon sprichst, wie läßt die erst überwogen, sich auflösen, ins Namen-, ins Uferlose, ins —“
„Bei dir, Georg, aber doch nicht bei mir!“ schrie Benno vom bronzenen Borgia her. „Die Musik ist eine so völlig klare, gesättigte Sprache wie die der Dichter. Ja, das ists! Sprache, Georg, Sprache! Nicht das Wort, das Ganze — eben — Musik!“
„Das ist wieder was andres, Benno. Meinen Sie das?“
Sigurd nickte.
„Dann also — meint ihr — den Rhythmus, nicht wahr?“
„Es ist mehr, Georg, es ist —“
„Unter Rhythmus“, erklärte Georg, „meine ich die innerste Essenz, die wieder Destillat ist aus dem allen: Worten und Takten, nicht wahr, Reim, Bildern und ihrer Wahl und Ordnung, der Glut der Stunde vor allem — was man Stimmung nennt, nicht wahr? — der Duft, die Seele — und der Leib — all das, all das strömt zusammen zum Rhythmus, der die Seele des Gedichts ist, die Seele der Form. Mit einem Wort, die Form meint ihr, das ganze Gedicht. Ja, dann freilich, — das ist bei mir natürlich auch so. Das Gedicht tritt in mich ein und —“