„Aber wie ich schon sagte: Nachdem ich ihm die schwierigsten Sachen vorgeführt, Technisches und Handwerkliches, den Orgelpunkt und auch Kontrapunktisches, soviel ich davon weiß, meinte er, es bestehe nicht der geringste Zusammenhang.“ Womit denn nun? dachte Renate verzweifelt, ich muß doch hinuntergehn, — während Ulrika weitersprach: „Alle Künste, sagte er am Ende, sind so völlig voneinander getrennte Gebiete wie die fünf Sinne, wenn sie auch alle an derselben Stelle verankert sind. Und seht ihr, so macht er’s nun! Mir fiel nämlich ein, daß es ja auch fünf Künste giebt, wie fünf Sinne, und ganz geschwind setzte ich ihm auseinander, wie das sich auch entspräche, denn Gehör und Gesicht haben ihre Kunst, auch der Geschmack, sicherlich, denn die Kochkunst und ihr Genuß, wenn ihr’s euch richtig vorstellt, ist eine wahrhafte Kunst, wie das Dichten und Gedichtegenießen; für das Gefühl steht die Dichtkunst, innerlich und äußerlich, denn unsre Sprache ist doch die Vermittlerin unseres Fühlens; nur der Geruch habe keine Kunst entwickelt, sagte ich, und das entspricht nun genau der Architektur, die auch keine Kunst an sich ist, sondern im Zweck wurzelt, versteht ihr, wie ich es meine? Der Geruch ist uns ganz Mittel geblieben, während die andern Sinne sich doch über ihre Zweckmäßigkeit zu reinem Empfinden, zum Genuß des Schauens und Hörens entwickelt — ist es nicht so?“
„Was für ein kluges Mädchen du doch bist, Ulrika!“ sagte Jason.
„Das hat er auch gesagt,“ versetzte sie gleichmütig, „und dann meinte er, es wäre alles Unsinn, und nun sollte ich mal drüber nachdenken, — ich sagte ja, so macht er’s.“
„Hast du schon?“ fragte Jason.
„Was?“
„Nachgedacht?“
„Noch nicht, aber vielleicht hilfst du mir!“
„Gerne,“ sagte Jason, „aber nun fängt die Musik wieder an, und Renate versteht kein Wort mehr.“
„Renate?“ fragte nach einer Weile Ulrika verdutzt. —
Renate lehnte sich über die Brüstung.