„Helenenruh — — wissen Sie, wie das ist?“ sagte Georg. „Das ist bloß Wiese. Wiese nach allen Himmelsrichtungen, und da liegt man und brennt in der Sonne. Mit vier Jahren habe ich da gebrannt, mit fünfen, mit sieben, und immer so weiter. Die Grillen zirpen, weit weg brüllt eine Kuh, und manchmal kann man das Meer hören. Blau ist die Luft, man kann sie aus Tassen trinken. Oh, Helenenruh ist schön, Helenenruh ist ein Inbegriff.“

Esther sagte nichts. Georg richtete sich wieder auf, rote Flecken schwammen vor seinen Augen, die tränten. „Vulnerant omnia —“ las er wieder. „Wissen Sie was von Jason?“

„Ja, was ist das eigentlich für ein Mensch?“ fragte Esther, ohne von ihrer Arbeit aufzusehn. Sie hatte einen kleinen Pappdeckel im Schoß und stocherte mit einer Nadel drin herum.

„Was machen Sie denn da eigentlich?“ fragte er. „Sind das Perlen?“

„Richtig,“ sagte sie, „und er geht eigentlich immer nur herum und sagt gar nichts. Und — wissen Sie — einmal, nein, schon mehrmals, wenn ich so seine stillen Augen ansah, kam mir’s vor, als ob er wirklich alles wüßte, auch von mir, wenn er mich ansieht, und sogar, was einmal aus mir werden wird, aus mir und uns Allen.“

„Das ist ja unheimlich,“ sagte Georg, „nun, wenn ich einmal nicht weiter weiß, werde ich ihn fragen.“ Er stützte sich auf die Hände und sprang auf. „Jetzt will ich aber sehn, was Sie machen. Schmetterlinge?“ fragte er, eine Abbildung in dem offnen Buch erblickend.

Sie hielt ihm hin, was sie in der Hand hatte, einen fingerbreiten Streif aus lichtgrünen Perlen, aus dessen einer Breitseite ein halber Falterflügel herauswuchs, dunkelrot von Perlen mit hellgelbem Auge. — Esther erklärte:

„Dies wird ein schmaler Streifen, lichtgrüner Grund und lauter ganz bunte Schmetterlinge, so schräg hin und her nebeneinander, als ob sie flögen. Die Farben kann ich wohl selbst erfinden, aber die Formen nehm ich aus dem Buche.“

„Und wenn’s fertig ist?“

„Kommt’s um eine Lampe mit einer flachen grünen Kuppel.“