„Wie die auf meinem Schreibtisch?“
Esther lachte. „Sagen Sie mir nun, wie die Inschrift auf deutsch heißt!“
Georg stierte gegen die Inschrift. Er reckte sich, stöhnte, knickte zusammen und fühlte sich wunderbar sommerschlaff.
„Alle verwunden, heißt es, die letzte tötet. Es sind die Stunden gemeint.“ Ja, — ultima necat. Sollte das wahr sein? Gott sei gelobt, für die erste Hälfte stimmte es im Augenblick nicht. Danach kroch er vor Esthers Füße und legte sich zufrieden nieder. Durch halbgeschlossene Augen sah er den Saum ihres Kleides und die Spitzen leise in Wellen gehn, sah die weiße Haut durch den dünnen Strumpf schimmern und die kleinen Eindrücke um die Spitze des bronzenen Schuhs. Dies nicht zu küssen, ist schwer, dachte Georg.
Indem bemerkte er das kostbare gelbe Haupt einer Nelke an Esthers Kleidausschnitt und fragte eifersüchtig: „Esther, woher kommt die Blume?“
„Von Sigurd“, sagte sie gleichmütig.
„Das“, schrie Georg, „ist zum Tollwerden! Er hat mir vor drei Tagen, als ich mit Blumen zu Renate kam, den längsten sozial-ethischen Vortrag gehalten, was für ästhetische Albernheiten das wären!“
Esther zuckte die Achseln „Gott, Georg, Sie kennen doch Sigurd.“
„Jawohl kenne ich ihn!“ tobte Georg, „und wenn ich ihn jetzt darauf festnagelte, so würde er entweder schlank leugnen, oder er würde lächeln wie ein Waisenknabe und sagen: Ja, da habe ich wohl gelogen ...“
Esther nickte strahlend. „Ich liebe ihn,“ sagte sie, „er ist entzückend.“