„Merkwürdig ist er jedenfalls. In allen geistigen Dingen zuverlässig wie — Ajax, aber im Persönlichen wie eine berauschte Wetterfahne.“

„Er ist doch so reich, Georg!“ verteidigte Esther, „können Sie das nicht verstehn? Sehen Sie doch: er war immer Zionist; jetzt kam einer und zeigte ihm, wie kostbar, wie einzig gerade die nicht nationale, die kosmopolitische Seite des Judentums wäre, und —“

„Wetterwendisch und vaterländisch, wie er ist —“

„Und feurig, wie er ist, sah er nur das Große, Seltene, Tiefe drin und entbrannte dafür.“

Es ist ja schrecklich, dachte Georg, wie sie ihn liebt! — Er schwieg gekränkt.

„Und weiter, Georg. Kommen Sie ihm heute mit Psychoanalyse, so glaubt er sich dafür geboren, und morgen mit Chirurgie, so will er Chirurg werden. Haben Sie gesehn, wie er zeichnen kann? Bogner war sogar erstaunt, und —“

„Nun will er Maler werden?“

„Glauben Sie nicht, daß er’s sein könnte? Und wie spielt er Cello! — Ach, Georg,“ sagte sie plötzlich mit einer Wehmut, „glauben Sie, es ist schwer, so zu sein. Da hat er Stunden, daß man meint, die Sonne säße ihm in der Brust, und er könnte, und er möchte die ganze Welt hell machen. Ja, und dann liest er vielleicht über — über dementia, und denkt an seine Mutter und sagt, er wird wahnsinnig. Georg, man kann nicht lachen dabei, denn Sie kennen seine Bestimmtheit, und man sieht, wie er’s in sich frißt.“

„Aber Esther, Estherchen!“ Georg benutzte die Möglichkeit, ihr die Hand auf den Kopf zu legen, „es hält doch nichts vor bei ihm, es ist ja — alles nur Jugend, nicht wahr?“

„Aber kann so einer je alt werden? Stellen Sie sich vor!“