Nämlich —
Oder vielmehr —
Nein, es tut mir besonders leid, aber ich kann nun das Ende des Satzes oben nicht mehr finden. Nun, Geduld, Geduld, wenns Herz auch bricht, Mit Gott im Himmel hadre nicht und so weiter, wie der Doktor Bürger so schön singt, aber — das ist auch nicht so einfach!
II
Denn (um an meinen ersten Brief anzuknüpfen): warum bist Du fort und ich hier allein? Ist das nicht zum Hadern? Du bist freilich nun der große Strahlende geworden, ja der so blendend Strahlende, daß ich gar nicht die Augen zu Dir aufheben darf, und schon deshalb ist das Schreiben sehr dienlich, — ich aber blieb hier in der kranken Dämmerung, und wenn ich nicht die Hoffnung hätte wie einen Felsen, wie einen rocher de bronce, in nicht gar zu langer Frist dorthin zu gelangen, wo Du bist — wie wäre dies Dasein sonst zu ertragen? Lieber Papa, verzeih schon, ich weiß, daß die Äußerung von Gefühlen früher nicht üblich war zwischen uns, aber damals ging es uns Beiden ja verhältnismäßig wohl. Nun verstehst Du wohl: meine Einsamkeit macht mich mitunter recht weich.
III
Standhaftigkeit sagst Du. O gewiß, natürlich! Ich weiß ja auch: es lebt niemand in der Dämmerung, der nicht recte hineingehört, und schon daß ich darin bin, wäre mir ein Beweis. Und nun der lange schwere Weg, den ich vor mir habe, dieser furchtbare und erhabene Weg zu Dir, der mich besonders entmutigen würde, wenn ich es wagte, ihn ganz ins Auge zu fassen: ich muß schon sagen, ich bin mitunter recht verzagt. Du würdest mir ja gern helfen, ich weiß, aber da es verboten ist, so sehe ich es ja vollkommen ein. In Deine Klarheit, in Deine Hoheit, wie fang ichs an? Wo ich doch ganz unten erst auf dem Punkte stehe, wo man tausend Fehle um sich her sieht wie ein grausames Dickicht, und ganz fern — o himmlisches Grün hinter Bäumen! — dämmert die heilige Wahrheit ...
IV
Ich weiß nicht, als ich neulich meinen ersten Brief an Dich begann, war ich so besonders glücklich und munter, aber bei mir hält auch rein gar nichts vor. (So war es immer in meinem Leben. Zum Beispiel Cordelia. Kaum war sie da, war sie auch wieder fort.) Dann ist auch diese elende, besondre Müdigkeit ... Ich glaube, ich fahre bald nach Helenenruh. Da Du in Trassenberg bist, darf ich ja leider nicht dorthin, und Helenenruh — ja, Helenenruh, das steht immer vor einem wie eine Fontäne! Helenenruh war immer Sommer. Und die Kindheit, was ist die? Ein einziger Sommer. Folglich ist Helenenruh eine einzige besondre Kindheit, und daraus wieder die einfache Folge ist, daß ich nach Helenenruh fahren muß, um — wenn ich schon in die Väterlichkeit nicht gelangen kann — wenigstens in die Kindheit zu gelangen. Und führt wirklich ein Weg zu Dir hinauf: nur dort kann er beginnen.