„Ach,“ äußerte er munter, „das war ganz schön, — die paar Tage! — und da ist mir auch alles eingefallen. Ja, was Sie heute sehn, und ich hoffe, einiges davon wird Sie erstaunen, das habe ich mir ausgedacht, als ich krank lag. Ja, geben Sie schön acht, damals lag ich wie ein brennender Saturnring um Ihre —“

Sie hob warnend den Finger, lächelte und sagte: „Georg! Ich mag sehr gern, wenn man mir schöne Dinge sagt, aber man muß niemals übertreiben, dann verraucht die Wirkung spurlos.“ Übertreiben? dachte Georg, ach, du lieber Herr Jesus! „Erzählen Sie mir, wer war Heliodora!“ befahl sie.

„Heliodora“, erklärte Georg, „war eigentlich Libussa. Kennen Sie Libussa?“

Renate nickte und sagte, Libussa sei ihre Lieblingsgeschichte gewesen als Kind.

„Meine auch“, log Georg und fuhr fort. „Ich wollte Libussas Geschichte aufführen lassen, Sie sollten Libussa sein, aber als ich mit Onkel Salm darüber sprach — Papa hat ihn mir überlassen, er mußte alle meine Pläne ausführen — sagte er, wieso ich nach Böhmen wolle — er weiß ja alles —“

Wie Georges, dachte Renate gerührt; wie er sich freuen wird, der Gute, und sie unterbrach Georg mit der Frage, was Saint-Georges darstellen würde, aber er wußte es nicht. Ihr hatte er nichts verraten wollen.

„Also, da sagte er,“ fuhr Georg fort, „warum ich nach Böhmen wollte, da wir doch die Heliodora hätten. Aus dem Festspiel kennen Sie ja dieselbe, sie war, richtig wie im Festspiel, eine byzantinische Prinzessin, verstand allerdings leider nicht, ihre Legendenschönheit zu vererben, — oder — was meinen Sie?“

Renate meinte, er könne ganz zufrieden sein, aber woher denn die schiefe Nase seines Vaters komme.

„Nicht von Heliodora freilich, sondern eben von dem Bauern, dem Gregor, oder Georg, den sie zum Mann nahm, — es steht ja alles im Festspiel. Auch das weiße Pferd und der Tisch von Eisen ist Legende, nur waren es in der Überlieferung die Sachsen, nicht die Beuglenburger Markgrafen, mit denen Heliodoras erster Mann und sie selber kämpfte, und Trassenberg war damals natürlich noch nicht Herzogtum, wie im Festspiel, sondern Freigrafschaft. Heliodora,“ sagte Georg langsam und leise, „Sonnegabe, ein schöner Name ...“

Sonnegabe, wiederholte Renate, sich erinnernd, daß der Herzog seinen Antwortbrief auf den ihren, in dem sie ihre Mitwirkung im Festspiel erwähnte, mit diesem Wort begonnen hatte, — und da, dachte sie, wußte ich schon alles, aber ich wollte es nicht wissen ... „Zwölfhundertsiebenunddreißig“ hörte sie Georg murmeln, und der Wagen stand still. Georg öffnete den Schlag, sprang hinaus und reichte ihr die Hand hinein. So stieg sie gebückt vorsichtig ins Freie hinab. Da standen sie auf der Landstraße neben dem Reitweg und sahen sich um.