„Darin soll“, sagte er, „eine Antwort auf die Frage liegen: warum raucht der erwachsene Mensch? Es giebt ja Unverständige darunter, die nehmen bloß den Mund voll, aber der Wissende tränkt seinen ganzen Leib durch die Lunge mit dem schönen Gift. Warum, Georg? Aus Erinnerung. Er denkt an seine Kindheit und saugt wieder. Damals weiße Milch, heute braunes Gift. Und er muß den entseelten Rest des nur halb Verzehrten wieder von sich geben und tut es mit einem traurigen Seufzer.“

Bogner lachte bis zu Tränen, zog dann seine alte Pfeife aus der Tasche, die er nicht brauchen darf, betrachtete sie wehmutvoll und roch daran. Auch ich hatte erst lachen müssen, aber nun wurde ich von Schrecken ergriffen im Gedanken an das von der Wiege und der Mutter, und ich sagte: „Ja, ist es denn wirklich so, Bogner, daß mit unsrer Kindheit alles ein Ende nimmt, und wenn wir uns an Äonenfernes zu erinnern glauben, so war es nur zwanzig Jahr her?“

„Glaubst du das?“ fragte er. „Ich weiß es seit langem.“ Und er erklärte mir, daß er besonders deutliche Erinnerungen an früheste Kindheit hätte, und zwar nicht eingebildete nach Erzählungen Erwachsener.

Und da fängt er an, von den Erscheinungen seiner kindlichen Fieberträume zu sprechen, und sagt: „Da war nämlich das Große!“

Ich wäre gern in ihn hineingestürzt. Ich schrie: „Das Große! das kennst du auch? Dies entsetzliche schwarze Anwachsen und Riesigsein und —“

„Und dann der Gang, durch den man hindurchsoll, und der zu eng ist ...“

„Ein Gang war bei mir nicht,“ sagte ich, „bei mir war das Wälzen!“

„Nun, das ist gleich,“ meinte er, „es hat ja den gleichen Sinn.“

Ich schrie wieder: „Es hat einen Sinn? Welchen Sinn hat es denn?“

„Du siehst, daß es einen Sinn haben muß, denn wie könnten sonst wir Beide es erlebt haben? Und nicht nur wir Beide. Ich glaube, daß jeder Mensch es kennt, und zum Beispiel in dem Buch von Rilke, da steht es auch darin.“