Was aber war dann eines Tages anders geworden? — Nun hielten wir uns nämlich bei den Händen im Gehn, meine Stimme hatte den weicheren Ton der Vertraulichkeit, meine Hand das Recht, den vom Wind umgekrempten Mantelkragen zurechtzuschieben oder die schiefgewehte gestrickte Mütze gradezuziehn über ihrer Stirn, ohne daß sie oder ich dabei den grade begonnenen Satz unterbrach. Ich fand alte Gedichte und las sie ihr vor, ich kannte nun den besondren Ton ihrer Haut am Nacken, dort wo die Bluse sich ablüpfte, wenn ich ihr in den Mantel half. Ich kannte genau die Form ihrer Stirn und jede Bewegung ihres Mundes, und viele ahnte ich voraus und erwartete sie, und all dies ward mir sehr lieb. Ich erinnerte mich: dies hatte ich schon früher erlebt, und doch war es dadurch nicht abgenützt worden. Ich dachte aber nicht, daß ich sie küssen möchte, denn so besonders war mir noch von der Krankheit her.

Aber siehe da, plötzlich eines Nachts, schrieb ich diese Verse auf:

Diese Nacht aus dumpfem Schlummern

Fuhr ich auf: das Schweigen dröhnte

Mir ans Ohr, doch spürt ich: andres

Dröhnen, Fausthieb, Fausthieb draußen,

Zornig auf des Tores Bohlen

Jagte mich empor.

Gleich da wußt ich draußen stehen

Ihn vorm Tore, Eros, jenen: