Und es hatte nunmehr jene Frage zu kommen, die aussieht wie alle andren Fragen, die aber am unsichtbaren Faden weit hinter sich her etwas zieht, das nicht den geringsten Zusammenhang mit ihr hat. Ich fragte nämlich, ob ihr auch nicht kalt sei. — Sie konnte nun dies oder jenes antworten, es gab auf jeden Fall ein Gelenk, und sie sagte: Es geht — und Ihnen? — Nun tat ich scherzhaft, als ob ich gewaltig fröre, um Grund zu haben, sie fest an mich zu drücken, worauf sie wiederum — übrigens aus keinem besondren Grunde — tat, als ob ich ihr wehtäte, und sagte: Ich sollte lieber hereinkommen. Da schloß sich denn der Ring zur ersten Frage mit meiner letzten, (die ich jedoch erst nach einer Weile tat, damit sie auch recht bedeutungsvoll erschiene, und während der ich sie mit Behutsamkeit an dieser und jener Stelle des Gesichts küßte:) Ins Wohnzimmer oder in dieses?

Eine Antwort erhielt ich naturgemäß nicht. Aber nach wenigen Sekunden hatte die Erwiderung meiner Küsse einen andren Schmelz, und ich hielt einen andren Menschen im Arm. — —

Und als sie wieder lagen auf bekränzter,

Ermüdete, auf schmaler Lagerstatt,

Stand auch der Geierfittich sanft am Fenster

Und lächelte auf das erglänzte Watt.

Es schien nämlich (ganz nutzlos, aber doch überaus frohgemut und strahlend über seine Anwesenheit) schien der Mond vom Himmel herab, als ich wieder aus dem Hause trat, und geleitete mich mit meinem Schatten wie mit einer Hand fürsorglich durch das Tal bis nach oben vor meine Tür, wo er zurückblieb.

Wieder einmal aber, schlafesunbedürftig sitze ich nun in der langsam verhauchenden Wärme des Ofens, verzeichne eine Stunde dieses nie zu begreifenden Daseins, blicke von unten in die Lampe, bin besonders ruhig, allem Ewigen so fern, ein kleiner Mensch im Gehäus, und ich beginne fruchtlos zu staunen über die Ahnungslosigkeit unseres Seins.

Da doch immer wir selber es sind, die alles tun, was unser Leben ausmacht, wie unbegreiflich, wenn man sich hineinversenkt, scheint es, daß wir vom tausendsten Teil des allen, solange es gegenwärtig ist, nicht die wirkliche Bedeutung erfassen. Was würden wir sagen, wenn bei der Begegnung mit einer fremden Frau ein Dritter uns darauf aufmerksam machen würde, daß uns über Jahr und Tag ihre besondre Art, das Strumpfband zu verhaken, nicht unbekannt sein würde und keine besondre Sache, und daß wir zusammenschliefen in einem noch nicht einmal gebauten Bett?