„Mit Permission,“ sagte der Gelbe, „ob dies wohl die Heliodora ist?“
Georg zog zwei arg verbogene Zigaretten aus dem Wams, schlenderte frohgelaunt zu dem Staunenden hinüber und reichte ihm eine, seine Frage bejahend und um Feuer bittend. Der Gelbe bedankte sich höflich, krempte sein Hemd auf, eine mächtige, manchesterne Hose kam zum Vorschein und aus ihrer Tasche alsbald eine alte Streichholzschachtel, die der Mann halb auseinanderzog, um Georg in der Höhlung das brennende Streichholz zu reichen. Georg bemerkte, als die Zigaretten beide qualmten, es sei ein schöner Tag.
Jeder Tag, sagte der Gelbe, sonderbar im Stehn beständig die Füße wechselnd wie ein Tanzmeister, jeder Tag sei schön, an dem der Christenmensch sich nicht zu schinden brauche. Er blinkte Georg verschmitzt zu und sagte: „Heliodora, eiweih! die heilige Dora! ha, ha, ha, ha!“ und wechselte die Füße, seinen Stock hinter sich aufstützend.
„Frei Essen und Trinken obendrein“, bemerkte Georg leutselig, aber der Mann kratzte sich den Kopf unterm Hut, daß er ihm über das halbe Gesicht rutschte, nahm ihn ab, schwenkte ihn und meinte, was zum Teufel er morgen mit dem gelben Hemde machen solle.
„Menschenskind,“ rief Georg entrüstet, „müßt Ihr denn immer was zu sorgen haben?“
Der Gelbe grinste. Indem war die schwirrende Saitenmusik nahe gekommen, Georg sah das bunte Menschenhäuflein, die Zinnoberroten voran, hermarschieren mit Mandolinen und Lauten im festen Takt eines muntern Marsches. Wandervögel, dachte er und hörte den Gelben sagen, er wäre Professor am Orientalischen Seminar, wozu er da ein gelbes Hemd brauchte? — Georg fuhr lachend und erschreckt herum, aber der witzige Professor winkte großartig ab und wanderte fürbaß.
Hinter den Jungens, die ihre Instrumente spielten — sie waren ähnlich wie Georg gekleidet, einer in Schwarz und Gelb, einer in Grün, — kamen die Mädchen, schön flatternd in Gewändern, Kränze im Haar, eine schieferblau, eine rostrot, eine grün und weiß gestreift, Arm in Arm kamen sie daher. Jetzt hoben die Jungens die Instrumente vor der Brust hoch, vollführten ein betäubendes Saitengerassel und fielen mit Klängen und Stimmen in das rasche Lied: Horch, was kommt von draußen ’rein? — Sie sangen aber, kräftig ausschreitend, die Augen stramm auf Renate geheftet:
„Seht, was steht denn dort am Rain?
Hollahe! hollaho!
Das muß Heliodora sein!