„Fräulein von Montfort läßt Sie bitten,“ sagte er, „nachher am Ankleidezelt zu sein, im Burghof.“

Der Schwarze neigte nur den vermummten Kopf und fuhr fort, durch die Augenschlitze gradaus zu spähn, — denn so schien es. Todmüde wandte Georg sich um und sah Ulrika und Renate zusammenstehn, Renate auf den Gugelmann blickend, wie er auf sie. Er zog Unkas hinter sich her, waldeinwärts, stolpernd mit halbgeschlossenen Augen, und dachte noch schlaftrunken: So führt ein Blinder den andern. — Dann zog sich alles in flimmernde, farbige Kreise auseinander, und mehr wußte er nicht.

Drittes Kapitel

Theater

Renate, ohne den Blick von Saint-Georges zu wenden, tastete nach Ulrikas Hand und faßte sie. „Was war dir denn?“ hörte sie Ulrika fragen, „du weintest.“ Jetzt entfernte der Gugelmann sich mit einem Winken, sie wandte sich zu Ulrika, sah erfreut das zarte und ernste Gesicht, ein wenig entfremdet von der großen, dunkelroten Krone von Haar, die mit grünen Bändern durchflochten einem maurischen Turban ähnlich war, und sammelte ihre Gedanken. „Laß dich anschaun,“ sagte sie, „wie köstlich du aussiehst!“

Ulrika ließ sich mit ein wenig ironischer Miene betrachten und befühlen in ihrem großen, grünen Mantel, dessen weißseiden gefütterte Falten sie im linken Arm trug, die goldene engärmlige Tunika darunter, und den weiten, mattlila Kleidrock. „War es denn nicht schön?“ fragte sie, wieder besorgten Gesichts, „ich meine, — weil du weintest ...“

„Habe ich geweint?“ fragte Renate erstaunt. „Richtig, Georg war ja da, — wo ist er denn geblieben? — Ja, es war schön, aber — es war schauerlich — oh!“ sie zog die Schultern zusammen. „Ich bin völlig zu Eis geworden, weißt du.“ Sie lachte. „Nun, und das hat halt schmelzen müssen. Du weißt doch, Herz, man weint nie, wenn etwas grausig ist oder so, sondern wenn man sich nicht anders zu helfen weiß.“

Wieder schaudernd blickte sie in die letzte Stunde zurück, fand jedoch wenig und sah nun nahe vor sich den Schimmel, dem eben Decken und Sattel abgenommen wurden, auch das Kopfzeug.

„Mein Gott, sieh doch nur, wie schön sie ist!“ rief Ulrika entzückt, als die Stute nackend dastand in der Herrlichkeit ihrer edlen Glieder, gedrungen, doch nicht plump, zierlich die Hufe voreinander wie eine Tänzerin, breit von Brust, dicken, kurzen, zum kleinen Kopf stark verjüngten Halses, mit dem starken Wirbelhaar über der Stirn, schnobernd mit den Nüstern, daß leises Wiehern quoll.

„Ja, du bist sicherlich grad so erleichtert wie ich, aus deinen warmen Decken“, sagte Renate, zu ihr gehend, um ihr den Hals zu liebkosen. „Ohne Furcht und Tadel bist du wie ich,“ murmelte sie dabei, „was wird aus uns werden?“