Der Hauptmann meinte, er habe ihn bei seinem letzten Besuch schon ganz wohlauf gefunden; er habe stehen und gehen können, nur Mund und linkes Auge seien ein wenig schief gewesen, — wiederholend, was Georg schon wußte. Überdem öffnete sich die Tür, und Anna trat ein, Georg fast erschreckend mit Lichtheit, in einem blaß lachsfarbenen Kleid, das ihn an ein andres erinnerte, von einem Tage, nach dem er noch suchte, während er auf sie zutrat. Heiter lächelnd sah sie so frisch und leicht aus, daß er den Arm um sie legte und sie auf die Stirn küßte.

„Nun, gut geschlafen, Georg?“ fragte sie und ließ sich zum Tisch führen.

„Danke, vortrefflich. Du bekommst Besuch, Anna, dein Onkel Birnbaum kommt mit Schley.“

„Wie herrlich! Egloffstein! Egloffstein ist doch da?“ Der Alte, jetzt völlig schief, aber mit noch vollendeter Lautlosigkeit, war hinter ihr eingetreten mit einem Regenkragen und einem Strauß weißer Rosen, die er auf einen Stuhl legte, und bediente jetzt am Tisch. Sie bat ihn, gleich in der Küche Bescheid zu sagen.

„Was für ein hübsches Kleid du anhast, Anna!“ lobte Georg, um von Birnbaum abzulenken, „so — so geburtstäglich!“ fand er auf der Suche nach einem Wort, und sie freute sich sichtlich. Ihre Kleider mache nun alle Renate, erzählte sie, und Georg empfand einen leichten Stich des Vermissens und der Erwartung.

„Und du, Georg,“ fragte sie nach einer Weile, mit langsamen Bewegungen, die Georg etwas nervös gespannt verfolgen mußte, sich mit Butter und Gelee aus den Dosen versorgend, die Egloffstein dicht um ihren Teller geschoben hatte, „wie fühlst du dich in Helenenruh?“

„Ach, geärgert hab ich mich!“ versetzte er möglich saftig und munter.

„Schon wieder?“

„Nicht nur ‚schon wieder‘, mein Kind, sondern sogar aus demselben Grunde wie gestern abend!“

„Ach, Georg, wie kann man so nachträglich sein!“