„Nachträglich? Das verstehe ich nicht! Ach so! Als weibliches Wesen nimmst du die Dinge persönlich. Nein, im Gegenteil, gestern sah ich die Sache nicht einmal so schlimm. Sag, ist es dir nie so gegangen? Zum Beispiel, man lernt abends einen Menschen kennen und findet ihn erfreulich; am andern Morgen steht man und denkt: was war doch das für ein ekelhaftes Schwein? Oder man sieht im Theater ganz zufrieden ein Stück, und hat mans beschlafen, sieht es völlig dumm und verblasen aus.“

„Oh ja, Georg! Es kann aber auch umgekehrt sein, wenigstens ists mir schon so gegangen mit Menschen, die ich beim Kennenlernen gar nicht besonders fand, und dann, am andern Morgen lächelten sie mir zu, und ich war froh, sie bekommen zu haben.“

„Ja. Aber ihr seid auch komische Menschen, du und Renate. Sitzt da und sagt nicht Muck und habt doch ganz gut gewußt, wer im Recht war!“

„Aber lieber Freund, der gute Benno war doch so glücklich mit seiner Oper!“

Georg wollte zischend auffahren, beherrschte sich aber angesichts ihrer heiteren Blindheit. „N—nja,“ bemerkte er dann, „laß du nur die Menschheit sich mit Mist zudecken bis an die Augen und sage: daß bloß keiner sie stört! sie ist ja so glücklich!“

Sie lächelte kindlich. „Georg, du bist schartig heut morgen.“

„Nicht nur heut morgen, mein Herz, sondern alle Tage bin ich das. Hast du mal drei Wochen lang mit lauter Narren und Borstigen regiert? Dann sei mal nicht schartig!“

„Ja, du hast nun einmal kein Christentum.“

„Nein, Anna,“ bekräftigte er mit scharfer Betonung, „das habe ich freilich nicht!“

„Du wirsts noch lernen.“