„Nach der christlichen Auffassung —“

„Die ich nicht teile! Für das ganze Leben sollte sie sein, für Tun und Lassen, Gut und Böse und — Sieh, da ist Benno! Guten Morgen, Benno!“ Georg stand auf und ging dem Freund zu möglichst herzlicher Begrüßung entgegen. Er schien unglückliche Augen zu machen, wie stets, war aber munter, noch ganz rot vom Waschen, und erschöpfte sich in Verbeugungen bis zum Tisch.

„Setz dich, Benno, iß, trink und überlege dabei den Sinn des Christentums.“

Jedoch Benno entschuldigte sich. So früh am Morgen ...

„Freilich, Benno,“ mußte Georg sofort zubeißen, „über Gott und Glauben läßt sich immer noch abends und übermorgen nachdenken.“

Benno begann langsam, von Egloffstein bedient, dem er für jede Frage und jedes Zureichen besonders danken mußte, zu essen, streifte Georg dann, der aufrecht dasaß, durch den Raum nach draußen blickend, mit einem unglücklichen Blick, legte die Weißbrotscheibe, ohne sie angebissen zu haben, auf den Teller zurück und meinte, das Christentum sei wohl vorwiegend eine Religion der Armen.

Magda beeilte sich, zu sagen, Georg habe sich die ganzen Wochen her mit Geschäften geplagt und wolle nun ...

„Vorwiegend!“ bekräftigte Georg, ohne sie ausreden zu lassen, sardonisch. „Wie triffst du nur immer den Nagelkopf! Wer aber nicht arm, wer hingegen reich ist, wie du und ich, was macht der?“

„Nun, wenn ich vorwiegend sagte, meinte ich mehr: ursprünglich.“

„So. Ja, das waren allerdings die Armen, das heißt die Elenden, Zermalmten, Leidenden, die diese unmännliche Religion erfanden.“