Benno erseufzte. „Und wenn du recht hättest, Georg, so ist doch darin nicht die ganze christliche Lehre enthalten.“

„Ja, worin denn noch? Kannst du mir sonst etwas Brauchbares zeigen? Brauchst du denn Christus? Sieh dich doch um in deinem Leben, und begegnest du ihm irgendwo, so ist Sonntag. Oder Kindtaufe, oder Weihnachten. Wochentags ist er nirgend.“

„Aber nun verrennst du dich, Georg! Das sind doch die Menschen und nicht die Lehre.“

Georg sprang auf und stieß den Stuhl unter den Tisch. „Ja, du, Benno,“ rief er, geschwollen von Gift und Hitze, „du wirst mich freilich niemals verstehn! Was soll denn eine Religion, die bis zum Wahnwitz überhängt nach der einen Seite, und aus der die Menschen auf der andern Seite nichts herholen können für ihr tägliches Leben. Weil sie nicht aus wahrhaftigem Leben kam, diese Lehre, sondern aus krankem, vergiftetem, weil sie eine Panazee wurde, ein Allheilmittel, eine Kopfsprunganweisung über den Tod, weil sie, mit einem Wort, nichts anzufangen wissen mit ihrem Leben. Und ich, wenn ich einen rechten Glauben bekommen hätte, mir wärs besser ergangen.“

„Meinst du das, Georg?“ fragte Magda leise.

Plötzlich fühlte er seine Augen heiß, es übermannte ihn, er ergriff ihre Hand und küßte sie lange.

Dann hörte er sie sagen, ob es noch regne; sie habe ihn bitten wollen, sie zum Grabe zu bringen, — und er ging zur Glastür und stand dort eine Weile, in den leiser fallenden Regen blickend und sich kühlend. „Ich glaube, es wird bald aufhören“, sagte er, sich wendend.

„Hat Egloffstein“, fragte sie, „meine Sachen hereingebracht? Es muß dein Buch dabei sein, das mit deinen Aufzeichnungen von Hallig Hooge, ich wollt es dir wiedergeben.“

„Ach, hast du’s gelesen?“ Georg sah das Buch unter dem Rosenstrauß, ging hin und nahm es an sich.

„Noch nicht ganz. Li hat mir daraus gelesen, hauptsächlich das von Bogner, und ich wollte dich bitten, mir selber noch draus zu lesen. Vielleicht heut nachmittag, magst du?“