Gewänder flattern farbig um sie her.
Das stammt aus den ersten Tagen meines Hierseins. Renate und Magda waren zu Bogner gekommen, es war ein warmer, sonniger Tag, ich stand oben auf meinem Turm mit dem eben gefundenen Handfernrohr und sah sie am Strande alle Vier, Renate, Magda, Ulrika und Cornelia. Sie hatten Schuh und Strümpfe ausgezogen, Renate und Ulrika Magda untergefaßt, Cornelia ging voran in einem lichtgelben Kleid, die drei Andern hatten allesamt weiße Kleidröcke und bunte, gestrickte Jacken, Renate eine burgunderrote, Magda eine grüne, Ulrika eine violette, und ich konnte durch das Fernrohr feststellen, daß nur die Renates und Ulrikas aus Seide waren, Magdas, stets bescheiden, war Kunstseide. Noch sehe ich die Drei im Rund meines Tubus unten stehn und zu mir heraufwinken, flatternd, farbig, lachend auf dem weißen Strand vor der dunklen Wogenwand von Blau, aus der die Welle, um ihre rosenen Füße leckend, kleine, silberblitzende Fische spülte ...
Meine letzte farbige Erinnerung. — Allein warum behielt sich mir das Heitre so oft?
Ich schrieb es wohl neulich schon auf: An Schmerzliches kann allein die Vernunft sich erinnern; das Gefühl kann nicht nachschaffen aus Nichts, was damals erglühte, so geht der Vorgang selber unter, und es bleibt nur das optische Bild, um so leichter, je farbiger, je brennender es war.
Ja, nur die Bilder erscheinen, mondlich angestrahlt, seltsame Monde selber, abgeschieden vom Damals, wirkungslos ...
Wenn die versunkene Stadt — in der Nacht der Erlösung — sich aus den fallenden Wassern erhebt, — tönen die Glocken wie vormals ... Wandeln wie vormals die Straßen, — und die kindlichen Spiele — tun es wie je den Erwachsenen gleich.
Doch es blieb ein Vermächtnis — aus der versunkenen Jahre Gram — auf den seltsam alten — Gesichtern zurück. — Und es beleuchtet ein fremder Mond — Turm und Planet und seltsam verschnörkeltes Dach.
Während rings aus dem riesigen Meere die alten — Gestirne steigen und wieder schaun, — was niemals altert. — — Wo keines Segels ernster Schatten, — kein Vogelflug nach der düsteren Ferne strebt.
Anders lächeln von Fenster und Tür — Mädchen auf Knaben, — und anders der Alten Schritt — über die steinernen Treppen und Höfe schallt.
Mädchen, die Sträuße tragen, — atmen befremdet den Duft, der von gestern erzählt ...