Ich begab mich hinaus zu ihm und wiederholte meine letzte Frage: „Was ist mit dem Mädchen?“
Er sagte: „Seit ihr Vater tot ist, ist sie so. Er starb — der Arzt sagte, daß er starb; wir waren Beide zugegen — er starb unerwartet gegen Morgen. Ich wollte sie rufen, als er noch atmete; da saß sie schon fast wie jetzt, nur furchtbar keuchend, sonst starr. Ich mußte sie verlassen. Seitdem haben Beide sich nicht verändert. Nun schon den dritten Tag. Und“, er stockte, „ich fürchte mich, ihn zu begraben.“
Ob er glaube, fragte ich, daß da Zusammenhang sei zwischen der Lebenden und dem Toten? Und ich wiederholte ihm die Worte des Lehrers vom Nichtfortkönnen des Toten.
„Muß mans nicht glauben?“ murmelte er gedankenlos, ich weiß nicht auf welchen meiner Sätze als Antwort.
„Der Arzt?“
Sei ratlos wie er selber.
Das Verhältnis, meinte ich, von Vater und Tochter sei zweifellos sehr innig gewesen.
„Das innigste!“ Nun wurde er beredt. „Sie lebten jeder nur dem Andern und durch den Andern. Ihre Mutter starb ja, als sie zwei Jahre alt war. Mein Vater hatte ihn verstoßen. Alldas mußte sie ihm sein. Wenn du im Dorf fragst, wirst du Wunder erzählen hören von dem Mädchen, seiner Schönheit und seiner Klugheit, seiner Lieblichkeit, Güte und Würde. Er war einer der tiefsten Menschen, und sie wuchs ganz aus seinem Erdreich, in seiner Luft. Die Leute sagen: sie war sein lebendiger Segen unter uns. Ich hörte sie die Orgel spielen, kurz vor seinem Tod. Stelle sie dir vor —, eine andre Cäcilie.“
„Vermutlich also“, fragte ich in plötzlicher Eingebung, „spielte auch dein Bruder die Orgel?“
Er nickte.