„Das war die eine Schranke. Die andre war das Unendliche. Wie läßt es sich binden? Kann man hineingehn? Ja, kannst du denken, was ich damals beabsichtigt, ganz ernst beabsichtigt habe?“

Die Augen öffnend, fand sie die seinen wieder darauf eingestellt, fragend.

„Ja, Erasmus,“ sagte sie, in einem Blitz erratend, „du wolltest Mönch werden.“

„In ein Kloster gehn. Aber es paßte doch gar nicht. Ich muß tätig sein. Was sollte ich anfangen in einer Zelle?“

„Also einen andern Weg? Also zu einem Menschen? Da war wieder die Schranke, — und du!“ endete er unsicher.

„Ich weiß“, sagte sie sanft. Aber wie weiter? Was nun?

Es verging eine Zeit, und sie sah ihn nun wieder wie im Anfang auf der Fensterbank sitzen, nur viel erschöpfter, den Kopf angelehnt, das hagere Gesicht durchglüht und beperlt, ein Taschentuch in den Händen, das er unbewußt zusammendrückte und zog.

„Erasmus,“ fragte sie, „glaubst du an Gott?“

„Ach,“ versetzte er ablehnend, „wer kann das wissen! Man glaubt und auch nicht. Die meiste Zeit des Lebens geht ohne ihn hin, und eines Tages, wo man ihn haben müßte, ist er verloren. Ganz recht, denn das wäre was, sich das halbe Leben nicht um ihn kümmern, und dann plötzlich, wenn man ihn braucht. Er wird sich um uns auch nicht kümmern.“

„Ja, aber wozu dann —“ fragte sie in plötzlicher und dunkler Ahnung eines ablenkenden Wegs.