Er hat es überstanden, — und du und ich, wir werden es auch überstehn. — —

Damit entschlief sie. Sie fuhr aber schon Augenblicke danach mit einem zuckenden Schrecken empor und saß aufrecht. Sie horchte; nebenan war Stille. Eine halbe Minute wohl saß sie so, keinen Laut vernehmend als den dumpfen Schlag ihres Herzens und das ferne Klappern einer Dachrenne. Etwas — mußte nebenan sein, und da sie doch die Vorstellung hatte, das Zimmer sei leer, dachte sie besinnungslos: er hat sich hinausgestürzt! mehrere Male; vor Augen das offene Fenster dort. Der Schlag ihres Herzens trat in ihre Kehle, sie schluckte und atmete behutsam.

Und behutsam nahm sie die Füße vom Bett, dabei entdeckend, daß sie ihr Kleid nicht mehr anhatte und weiß war in Unterrock und Leibchen. Ihr fröstelte; aber in dem Augenblick, wo sie leise aufstehn und zur Tür gehen wollte, wußte sie, daß er dahinter stand, und rief schon: „Erasmus!“ angstvoll blickend zur Tür, bis zu der das Fußende des Bettes reichte.

Die ging auf, und er kam herein. Ohne sie anzusehn, kam er um das Bett und stürzte vor sie hin, umschlang ihren Leib, wühlte die Stirn in ihren Schoß, ächzte und schluchzte, auf und nieder geworfen von Stößen, daß sie ihn kaum zu halten vermochte. Aber sie preßte ihn an sich mit aller Kraft, küßte ihn, weinte und stammelte, was ihr einfiel: „Ja, ja, Erasmus, ja! O mein Gott, ich hab zu wenig getan, das war ja nichts, ich weiß, ich hab es ja gewußt! Sag mir, was ich tun soll, ich will alles tun! Sag doch, o sag doch!“

Langsam wurde es in ihm stiller. Er hob den Kopf hoch, sah sie an mit unseligen Augen und sagte: „Gieb mir —“

Er brachte nichts weiter heraus, setzte zwei- und dreimal zum Sprechen an, und indem hatte sie erraten, was er wollte, und schrie, sein Gesicht an die Brust drückend: „Die Kinder!“

Und weiter mit immer erneutem Pressen und Küssen und an sich Drücken flüsterte sie in ihn hinein, jagend in Worten, von denen sie kaum wußte: „Die Kinder, ja, ja, ich hab es ja gewußt, nur das kann uns retten! Warte nur, o wart nur ein wenig, bald, bald, es geht ja schnell, und wir wollen gleich — — Erasmus! Willst du gleich? Jetzt! Heut nacht, heut, o ich will dich lieben!“ schrie sie brennend, „ich will dich lieben wie Gott, und dann kommen sie, du wirst sie bald hören, das Neue, Erasmus, das neue Leben, das nichts weiß! Ach!“ weinte sie, „wenn du nur erst sein Herz in mir schlagen hörst! Ach, wenn du fühlst, wie es sich bewegt, dann wird es ja gut werden. Dann wird es ja gut werden!“

Sie hob sein Gesicht mit beiden Händen, damit er sie ansähe, strömend von Tränen, durch die seine Züge dunkel und verschwommen erschienen wie in Wasser. Aber er sah sie nicht an, er schien über ihre Schulter ins Leere zu starren oder in die Ferne, und so sagte er dann:

„Ja. Aber — — und dann ...“

„Was denn, Erasmus? was denn?“