„Und dann — — wenn ers — erträgt ... Wenn — ich — einen Sohn — habe —“ sagte er langsam, „der es — erträgt, dann — ist es gut.“
Er sank an ihr nieder, erschöpft, sein Gesicht fiel auf den Bettrand, und sie saß leise weinend daneben, mit der Hand über sein feuchtes Haar streichend, und verstand, daß es so sein mußte. Es sei denn, das Leben selber brauchte seine Gewalt.
Er stand von den Knien auf, wandte sich ab und ging zum Fenster, wo seine Gestalt den schmalen Raum ganz verdunkelte. Aber draußen war Helle, und Renate konnte aus ferner Höhe die leise Drosselstimme der Kindheit schlagen hören, friedfertig in Pausen, durch die Stille.
Es war Charfreitag; Ostern stand bevor.
Sechstes Kapitel
Bogner/Klemens
Georg, ergeben und hoffnungslos hinter Renate über das Rasenoval wandernd, sah die drei Ankömmlinge und daß Renate sich einem von ihnen gesellte und mit ihm die Freitreppe hinaufging. Aber mit abirrendem Auge erkannte er Bogner. Der streckte die Hände aus, und Georg lief eilfertig und fast mit einem Jauchzen der Erleichterung in die Arme, die er sich ausbreiten sah.
Auch in Bogners Augen, als der ihn hielt und betrachtete, war eine tiefere Zärtlichkeit; aber Georg fühlte sich so aufgeregt und erweicht von dem unvermuteten Wiedersehn, daß es ihn mit Tränen bedrängte; daß er, für Augenblicke sprachlos, die Umgebung in Kreisen sah und innerst erbebend dachte, sein Vater sei wiedergekommen.
Wieder aus seinen Armen gelöst, erkannte er in dem großen Fremden, mit dem Renate eben in der Glastür oben verschwand, Erasmus Montfort und gleich darauf in dem Andern, überaus Schwarzbärtigen, Klemens. Sein Bart war zehnmal so groß, als er ihn im Gedächtnis hatte. Er schüttelte ihm nun die Hand, fühlte sich aber von Bogner, der Klemens zuplinkte, beiseite gezogen.
„Pst!“ raunte er, „Achtung! Er hat keine Ahnung!“