„Wer? Klemens? Wovon?“
„Von Irene. Daß sie hier ist.“
„Ah! So. Ja, was macht man da? Sie wird mit der Anna in Böhne sein.“
„Gar nichts. Es wird sich schon zeigen.“
Sie wandten sich Klemens wieder zu, und Georg fragte ihn, indem er sich doch wundern mußte, wie die Drei so zusammen gekommen waren, nach Erasmus.
„Wir sind zu Fuß gekommen,“ sagte Klemens, „und suchten Bogner auf, um uns herführen zu lassen.“ Er wollte noch mehr sagen, aber ein Regenschauer ging so jählings über sie herunter, daß sie auseinanderfuhren, worauf Georg jeden bei einem Arm nahm und mit ihnen die Terrasse empor ins Gobelinzimmer lief. Egloffstein, immer bereit, hielt die Tür schon offen. Ob die Damen schon aus der Stadt zurück seien, fragte Georg. — Noch nicht. — „Um so besser, dann kriegt ihr ihr Frühstück! Sagen Sie auch gleich in der Küche an, Egloffstein, daß noch eine Gans geschlachtet wird. Ihr bleibt doch zum Essen?“
Klemens zögerte höflich und schwieg, Bogner dagegen bedauerte: sein Mittagsmahl erwarte ihn daheim. Er hoffe aber, setzte er hinzu, Georg am Nachmittag bei sich zu sehn. Er wäre auch ohne die Andern gekommen, ihn zu bitten.
Nun zwischen den Beiden sitzend, der offenen Glastür gegenüber, durch die er den leichten Sonnenregen auf die Terrasse niederrieseln sah, glaubte Georg, Klemens nach der ersten Erfreutheit der Begrüßung nicht in einem Zustand des Behagens zu sehn. So braun er war, schien er kaum recht gesund, im Innern erschöpft und außer Ordnung. Das tiefe Schwarz des großen Bartes und der dicken Brauen erhöhte nebst dem glatten Graubraun seiner Stirn das Seltsame der wassergrauen Augen. Sie hatten sich verhärtet, und Georg dachte, er sieht ja aus wie der Dulder Odysseus, der heimkommt und sich nicht zurechtfinden kann.
Bogner an der andern Seite hatte übrigens nichts eben Väterliches an sich, sondern sich erstaunlich verjüngt. Fast vermißte Georg das lange Haar von Hallig Hooge an dem kurzüberschorenen Kopf. Es war dunkler nachgewachsen, nur der Scheitel noch leicht übergraut. Die hellen kleinen Augen in ihren Höhlen hatten einen fast lieblich zu nennenden Glanz, Fleisch und Haut über dem Skelett des Gesichts ihre frühere Festigkeit wieder, und brüderlich erschien nun, was Georg früher als väterlich empfand.
„Giebt es Neues bei dir?“ fragte er derweil. „Bilder? Wieviel? Nun, ich komme natürlich!“