„Einen, der sich wandelt, wie die Menschheit sich wandelt.“

„Die Kunst“, sagte Bogner nachdenklich, „hat meines Erachtens die Aufgabe, das Unwandelbare darzustellen. Sonst kämen wir zu Problemen, und das Problem Gottes zu lösen, kann nicht ihre Aufgabe sein.“

„Aha, so, dann halten Sie auch das Tempelproblem für gelöst?“

„Ich glaube. Wie das des Glaubens. Wenn im Tempel das Gläubige sich ausdrückt, so löst es sich mit der einfachsten Darstellung der architektonischen Aufgabe. Stütze und Last, Säule und Gebälk, und ewig bleibt, meines Empfindens, die Gestalt des Baumes. Hellas hat die uns empfunden, ihr Inneres läßt sich nicht ändern, aber ich bestehe durchaus nicht darauf, daß etwa das Kapitäl jonisch sein soll oder korinthisch. Das immerhin war zeitmäßig und landschaftlich griechischer Ausdruck, und —“

„Sie machen mittelalterliche Weinlaub- oder Eichenblätterkapitäle auf die dorische Säule? Übrigens“, schloß er in seinem ersten, bisher von Hitzigkeit abgelösten Tone der Grämlichkeit, „machen Sie, was Sie wollen.“

„Du bist zänkisch!“ sagte Georg nun, der mit Behagen dem Hin und Wider gefolgt war. „Du wirst der ganzen Architektur den Mund verbieten.“

Klemens nahm Rührei von der Schüssel, die Egloffstein hinhielt, und gab sich Mühe, zu lächeln. Ja, er hätte schon neulich einen Architekten sagen hören, daß sie, die Architekten von heut, sich nur hinsetzen könnten und warten, da die Baukunst nicht — wie vormals — imstande sei, der Zeit einen Ausdruck zu geben.

„Davon“, sagte Georg, „schreibt Victor Hugo sehr schön in Notre-Dame. Sonst übrigens ein albernes Buch. Völker, sagt er, haben ihre Geschichte in Baukunst geschrieben. Heut ist die Mannigfaltigkeit nun zu groß geworden. Auch hat immer eine Kunst die Oberstimme gehabt in den wechselnden Zeiten.“

„Und welche wäre das heute? Die Dichtung? Literatur? Da redest du wieder aus der Vergangenheitsperspektive. Wenn du darin gesteckt und gelebt hättest, würdest du alles anders gesehn haben, und ganz ungenau. Du hebst einen Faden aus der Vergangenheit und sagst: das ist der Faden. Du, in deiner Abstraktion, kannst relativ sein, aber hier handelt es sich um Wirklichkeit, um Gegenwart, und das nötige Mittel der Relation, die Vergleichung, fehlt.“

„Meinetwegen. Aber hat denn nicht die Baukunst einen Ausdruck für etwas Neues und Zeitmäßiges gefunden?“