„Das Warenhaus wohl?“
„Vielleicht.“
„Lassen Sie das auch gelten, Bogner?“ Klemens schien sich zu erleichtern im Wortstreit.
Das Warenhaus, meinte Bogner, sei freilich kaum eine geistige Erscheinung.
„Aber wieso?“ fragte Georg. „In einem weiten Sinn als Verkehrssinnbild?“
„Nun, Kaufhäuser gab es auch im Mittelalter. Das Warenhaus aber setzt die Dinge nur in Beziehung, ist — ganz Fläche. Das mittelalterliche Kaufhaus war ein Ausdruck des ganzen kaufmännischen Geistes und —“
„Ja, das bringt mich auf einen Hauptunterschied von heute und damals“, rief Georg. „Damals gab es nur zweierlei Bauten, Kirchen und Profangebäude. Die heutige Hundertfältigkeit —“ Georg verstummte einen Augenblick, um Klemens sagen zu lassen, das ließe sich höchstens von der italienischen und deutschen Renaissance behaupten, — um dann fortzufahren: „Immerhin wurden die Häuser früher allesamt von außen gebaut; sie bekamen eine Fassade, und die Räumlichkeiten wurden irgendwie hineingepackt. Heute dagegen ist das Wichtige das Innre, die Unterbringung einer bestimmten Anzahl von bestimmt gearteten —“
„Na, und wo bleibt da deine Mannigfaltigkeit?“ hohnlachte Klemens. „Worin unterscheidet sich denn eine Postdirektion von einer Lebensversicherung, einer Bank, einer Konsumgenossenschaft, einem Rathaus? Eins wie das andre eine große Verwaltungsanlage. Das ist es eben. Heut ist alles geistig erklügelt, was damals aus einer Freiwilligkeit entstand, wenn auch aus einer dumpferen.“
„Und wer ist dran schuld?“ rief Georg nun hitzig. „Du bist schuld! Denn der Staat ist es, der heut auf alles die Hand gelegt hat, und du willst den noch einfältigeren Sozialstaat. Nun, aber das weiß ich schon lange, daß die Zerrüttung überall herumprasselt.“
„Ich freilich fühle die neue Grundlage.“