„Schon? wo denn? Wir müssen ja immer tiefer. Jetzt kommt doch erst Amerika, und Taylor und die ganze Mechanisierung. Schon muß Bogner sich Kunstmaler nennen, damit man ihm glaubt, daß er kein Anstreicher ist, und der heutige Geistestyp ist der Schriftsteller.“
„Das“, widersprach Bogner langsam, „kannst du so wohl nur für Deutschland festlegen.“
„Und in Frankreich vielleicht? Da giebts ja nur Schriftsteller.“
„Den homme de lettres, den écrivain — kaum im deutschen Sprachsinne. Der Franzose freilich ist immer der artiste, der, der diese Dinge macht.“
„Ja, da hast du recht, und der Deutsche ist der, der sie erfindet, erdichtet. Form und Gehalt.“
„Freilich,“ sagte Klemens sardonisch, „er nennt sich Schriftsteller, aber selbst Rudolf Herzog hält sich für einen ‚Dichter‘ und wird auch gehalten.“
„Womit du etwas sehr gutes Deutsches zum Ausdruck bringst. Der Deutsche, als Künstler, fühlt Verantwortlichkeit, nämlich gegen etwas, das über ihm ist und Allen. Er fühlt sich fraglos unterworfen dem namenlosen Zwang, ohne zu denken, und einsam. Der Schriftsteller in Frankreich ist öffentlich, wie der ganze Mensch dort, ist vergesellschaftet, ein Staatsinstrument. Racine, Corneille waren Staatsdichter.“
„Und Baudelaire? Und Verlaine, Mallarmée?“
„Lyriker, mein Lieber. Der Vers macht einsam. Nun, ich denke, das dürfte wohl doch klar sein, daß wir in Deutschland eine Art, ich will sagen dichterischer Menschen haben, die einzig ist. Der Franzose hat immer seine gloire, dargestellt in äußerer Ehre, und Balzac hätte alles hingeworfen, so groß er war, wenn er auf andre Weise den Ruhm hätte erlangen können, der ihm vorstrahlte. Der Poet in der Dachkammer, hungernd und frierend, verachtet und entzückt, das ist unsre Form.“
Georg stand auf, da fertig gegessen war. Egloffstein stand schon mit Zigarren vor Klemens; Georg zog seine Dose und bot sie Bogner. Als sie alle Drei rauchten, trat er an die Glastür und dachte, es sei doch das Beste im Leben, sich um nichts und wieder nichts unter Männern mit Worten zu schlagen.