Und wiederum zwei Möglichkeiten dahier.
Die eine, die für den Einzelnen, die Einsicht Habenden, sich nicht verloren geben Wollenden, der sich kräftig genug fühlt, gottlos, will sagen heillos zu leben. Für ihn die Worte: Geduld! und: Vertrauen! — Vertrauen auf den dunklen Drang, einen rechten Weg zu gehn, auf eine untrügliche Liebe zum Wahren und Guten, eine Kraft, von Augenblick zu Augenblick hintastend zu gehn; auf das Nächste allein immer gerichtet, das Ferne nicht zu verfehlen; eine innere Sicherheit, eine Kraft, die denn Langmut verleiht, Geduld zu haben mit den Menschen, wie man sie mit sich selber hat. Tröstlich auf solch einen Weg möge dann das schönste Wort leuchten, das ich fand:
‚Wir rühmen uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt. Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden.‘
Da keine Vollkommenheit ist, so ist auch keine gänzliche Errettung zu denken. Aber von Augenblicke zu Augenblick führt der Weg der Geduldigkeit, und es glänzt uns der Stern der Hoffnung, daß wir nicht gänzlich zuschanden werden. (Römer 5, V. 3-5.)
Dieses mein Weg, und dies mein Stern. Ich will es versuchen.
XIII
Welche Möglichkeit aber bliebe für Alle die, denen aus irgend Gründen die Einsicht verwehrt bleibt? Welche Möglichkeit für die Befangenen in Mißtrauen und Ungeduld? Für all die Erniedrigten, Dumpfen, Gebrochenen, für die Halben, Kraftlosen, Lauen, Oberflächlichen, Tanzenden; für die Masse, die ‚Welt‘?
Denn so mir Gott helfe: dies alles habe ich zuerst um meinetwillen erdacht und geschrieben; es hätte aber mir nicht eine solche Not sein können, es hätte nicht so sehr meine Sache sein können, wenn nur ich allein, wenn nicht die ganze irdische Legion in diesem Irrsal befangen wäre, also daß ich nur mit Bewußtsein leiden kann an etwas, das Alle, ob auch unbewußt, unaufhörlich erleiden. Somit, daß, wenn ich einen Weg suchte, ich ihn nicht suchte für mich, sondern im Auftrage gleichsam All derer, die nicht einmal suchen dürfen. Ach, wäre sie denn so groß und so unbarmherzig meine Not, wenn sie nicht Weltnot wäre und ich nur ein Gegenstand in dem Sturm, der ihn schüttelt!
Aber mir bleibt aus dem Gefühle der Hoffnung, die ich selbst für den nächsten Augenblick habe, in Hinsicht der Welt nur ein ärmlicher Ausblick ins Fernste. Und Mißtraun und Ungeduld, denk ich, sie werden fressen und fressen und einmal sich selber gefressen haben ...
‚Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnet sich mit uns und ängstigt sich immerdar.‘ (Römer 8, V. 22.)