Langsam quoll über die schwindende Übelkeit eine Erleichterung aus dem Dunkel; auch leises Wohlbehagen im Bewußtsein des tiefen Liegens. Er fühlte seine Hände naß, wollte sich aber die Wonne des Daliegens nicht stören lassen und stöhnte nur leise. Hände tasteten an seinem Gesicht, er faßte ermüdet danach und öffnete die Augen.

In einem gewaltigen Kessel, der in ihm war, wälzten sich zwei Ströme herum; einer, der über alle Begriffe glücklich war, hieß: Vater; der andre, der schwarz und gallebitter war, hieß: Tod, und auch: Schuld. Plötzlich war alldas verschwunden, Georg stand auf, strauchelte aber und mußte sich, da er nichts andres fand, mit Hand und Schulter gegen die Anna stützen. Bald versuchte er, zu denken, aber die Zange griff trotz mehrmaligen Ansetzens nicht zu.

Danach fand er sich auf einem Stuhl sitzend und vor sich das Mädchen, und er hielt ihre eine Hand. Leer von Gefühl zu ihr aufblickend, begann er zu fragen:

„Sage mir ... Wer wußte dies außer mir?“

Sie schwieg, bedachte sich und zählte leise sprechend auf: „Renate und ich; dann Bogner. Jason wohl. Virgo und ihr Mann. Das sind Alle.“

„Woher?“

„Von deinem Vater. Er sagte es Renate, damals, kurz bevor er starb. Wir glaubten Alle, daß du es wüßtest.“

„So mußte es euch scheinen. Es ist sehr einfach. Und — wer war dann meine Mutter?“

„Jene Frau — in dem Haus. Virgo hat ihr Bild, du mußt es ja kennen, und dort sah es dein Vater. Sie war seine Freundin ...“

Georg fragte nicht weiter. Die Augen fielen ihm zu. Er glaubte nach langer Zeit eine leise Berührung auf seinem Kopf zu spüren. Als er die Augen wieder öffnete, war er allein.