Er duldete es eine Weile, daß sie ihn mit Leidenschaft in die Arme schloß, befreite sich dann, nickte ihr zu und bat sie, ihn zu Bogner zu bringen. „Ist er allein?“

„Renate ist da, und ein Herr, ich glaube, ihr Vetter, und Jason. Aber der kam schon mit mir.“

„So. Renate. Ja — willst du mich nun —“

„Ich glaube, sie sind jetzt oben. Ich bring dich ins Atelier!“ sagte sie und ging voran. Am Ende des Flurs öffnete sie die Tür zu einem Gang, zu dessen Seiten die Wände der Boxen Georg erinnerten, daß dies ursprünglich ein Reitstall war. Die Boxen standen vollgepfropft mit aufgespannten Leinwanden und Zeichenbogen, aber über den oberen Rand der letzten rechts erhob sich, sich herwendend, der große braune und schwarze Kopf eines Rosses mit einem klugen, anscheinend fragenden Auge.

„Lieber Gott,“ sagte Georg, „das ist Unkas!“

„Wußtest du denn nicht, daß er hier ist?“

„Doch, doch, natürlich, da ich ihn Bogner schenkte, der reiten wollte. Er wurde zu alt für mich und schwerfällig; Bogner wünscht nur mäßige Bewegung.“

Georg war schon zu dem alten Genoß in den Stand getreten, klopfte ihm liebevoll Hals, Bauch und die Nüstern, das Pferd schnoberte zärtlich, scheuerte sich an seiner Schulter und bohrte das Maul nach seiner Manteltasche, aber er mußte sich losmachen, fühlend, wie er übermannt werden würde. Das alte Pferd hatte ihn nicht vergessen, es tat seinen Dienst, wie es gewohnt war, hier wie bei ihm; keiner wußte, ob es litt in der Fremde, aber anscheinend wars nicht der Fall. Es atmete laut, plötzlich trat es zurück, daß der Halfter sich spannte, warf den Kopf hoch, zerrte und schien sehr ratlos. Schließlich feuerte es nach hinten aus, daß die getroffene Holzwand dröhnte.

Georg wandte sich ab, und überdem wurde eine Tür geöffnet, Bogner streckte den Kopf hervor, griff nach Georgs Hand und zog ihn in den Raum.

Was aber hier mit ihm vorging, war ihm nicht mehr bewußt; ein Andrer tat es für ihn, sein Inneres füllte ein gestaltlos sausender Regen, sonst nichts. Er stand lange vor Bildern, sprach, sah Bogner, sah Renate und den Erasmus, auch Jason, sprach auch mit ihm. Endlich hielt er einen Türgriff in der Hand, den er deutlich erkannte.