Josef wandte sich halb zu seinem Vater und bemerkte halblaut: „Iphigenie! sie hat sich nicht verändert, oje-oje!“ und Renate merkte, daß sie den rechten Unterarm auf der Tischplatte vor sich liegen hatte, den linken aufgestützt und das Kinn in der Hand.
Ein wenig später war Renate unter fernem Stimmengeschwirr und Lachen sich nicht mehr klar, was sie tat, sprach oder empfand, fühlte sich selber undeutlich in lebhaftester Erregung und Bewegung und hörte nur einmal Josefs Stimme, wie er zu seinem Vater sagte: „Sieht sie nicht aus, als ob sie einen ganzen Nachtigallenschwarm in der Brust hätte, Papa?“ und er sagte noch weiter etwas von Rosen und Lilien ihres Gesichts, die von diesem, unten hineingesetzten Nachtigallenschwarm ins Wanken und völlig durcheinandergekommen seien. Sie hörte ihr eigenes Lachen fern, dann schien es ihr, als sei von ihrer oder Ulrikas Kleidung die Rede, — nein, er beschrieb das mittelalterliche Bild, das er vom Garten aus gesehen habe: Ulrika und Renate in ihren farbigen Kleidern und Kopfzierden, Erasmus im Panzer, der Eremitenkopf seines Vaters, — ein bißchen Veronese, aber sonst ganz ...
Plötzlich stand alles für einen Augenblick still, sie sagte: „Ja, nun müßt ihr aber etwas hören! — Ich habe mich verlobt.“
Es war still geworden.
„Verlobt?“ fragte ihr Onkel leise; seine dunklen Augen standen fest, dann senkten sich langsam die Lider darüber. „So. — Ja, mit wem denn?“ hörte Renate ihn noch leiser fragen.
Erschreckt blickte sie auf Josef, sah den roten Fleck seines rechten Gesichts und die linke Braue leicht angehoben.
„Mit dem Herzog, — Herzog Trassenberg, Onkel,“ sagte sie unsicher, für Sekunden ratlos, was dies bedeute, und fügte mit wankender Stimme hinzu, er habe zwar ihr Wort noch nicht, aber ... Da wußte sie, daß ihr Onkel an seinen Sohn dachte. Sie sah ihn ängstlich zur Seite nach Josef spähn; Josef beugte sich ein wenig zu ihm und sagte ironisch: „Ja, willst du eigentlich nicht gratulieren, Papa?“
Nun stand er langsam auf, aber diesmal, merkte Renate, gelang ihm die Beherrschung nicht, er legte die Hände zusammen und fragte furchtsam: „Josef — verzeih, aber — ich habe immer gedacht ...“
Jetzt rückte Josef, vor Staunen fassungslosen Gesichts, seinen Stuhl nach hinten, sah zu seinem Vater auf, erst wie völlig verwirrt, dann fragend, endlich strafend, und sagte: „Ja, nun brennen alle Kandelaber, Papa! Renate, ists nun hell genug? Ich und du, stell dir vor! Eiweih geschrien!“
Renate lachte, so hell sie konnte, es fiel ihr schwer, da Josef das heile Auge zusammenkniff, wodurch sein Gesicht zu einer scheußlichen Grimasse wurde, aber sein Vater konnte es nicht sehn, und sie atmete erleichtert auf.