„Er sagte, er liebe mich, und ich wunderte mich nicht. Er liebte so vieles zu seiner Zeit. Er wollte mein Herz, er sagte, es sei weich, und ich gab es und gern. Er trägt ja das Abbild fremder Gesichter in Büchern nach Hause, und uns sind es Lichter und holdes Gebrause. Er malt sie mit flüchtigem Strich auf den reinen Grund seiner Liebe zum Lachen und Weinen, — wie schön ist die Welt!
„Alles schien gut, ich wußte es, ich fühlte es nicht. Denn ich war immer nur ein armer Mensch; das, was ich konnte, tat ich wohl, jedoch am Grunde meines Lebens wucherte es fort, die trüben Gedanken, wer kann sie verscheuchen? Denn ich liebe ihn nicht.
„Oh, nicht dies ist es, mein Gott, nicht die Kluft zwischen ihm und mir, nicht daß, wenn er liebend und eifrig sein ganzes Innres vor mich hinschüttete, daß hinter den goldenen Bergen immer die graue Wand sichtbar blieb, daß ich seufzen mußte und sein fernes Herz hören hinter dieser Wand, wo es im Ewigen wandert mit Stürmen und Flüssen, dort, wo ich nicht bin.
„Dies ist es nicht.
„Wenn es still ist und ich lausche, höre ich es von fern. Oh — jenseit ist sein Land, das Allerseelenland; in dem er wandert fern und wohl zu Hause ist. Du kannst es heute sehn und morgen, wann du willst — betreten kannst du’s nicht. Dort ist ein jeder Baum sein Haus, Nachtlager, Traum, und jede Frucht ihm Speise. Oh nein, er hat es selbst gemacht, es ist nur, weil er ist.
„Ich liebe ihn nicht, weil ich ihn niemals genug lieben könnte, weil ich nicht hineingelangen kann dort. In meinen grauen Stunden liege ich davor, die Stirn gebeugt auf die Knie und klage. In den heiligen Stunden lege ich die Stirn gegen seine Mauer und die flachen Hände und fühle im kalten Stein den zuckenden Schlag seines Herzens, denn voll von ihm, so voll ist jenseit die göttliche Luft, daß es den Stein schwellen und tönen macht, — ich aber bin dort nicht.
„Oh, wer kann sich denn genug tun in der Liebe, wenn er liebt? Wer kann jemals aufhören, zu begehren, wo alles unendlich ist! Wer kann sich an die Brust schlagen und sagen: Genug! Wer wollte die Arme breiten um die Welt und sagen: Ich habe! Ich fliege und bin doch kein Vogel, ich flute und bin doch kein Strom, ich singe und bin nicht Gesang, ich brenne und bin nicht die Glut, ich schöpfe und schöpfe mich aus bis zum Boden, und es ist nicht Liebe genug, nicht Liebe genug.“
Ulrika legte die linke Hand unter die linke Brust und sagte nach langer Zeit kaum vernehmbar leise:
„Aber doch ist er zu mir gekommen, und ich — wenn ich nun lausche auf das ferne Pochen seines Herzens, so höre ich es näher und näher, nahe, ganz nahe, und endlich ist es hier; nicht im Herzen, sondern darunter trage ich das seine. Drei Monate sind es bald ...“