Georg, tiefer in sich versinkend, hörte mit mächtiger Ergriffenheit über sich die kostbare, tönende Stimme in der Nachtluft:

„Siehe, dies — Bedürfte nicht und könnte, der Entfernung — Fremd hingegeben, in dem Übermaß — Von Fernen sich ergeben, fort von uns. — Und nun geruhts und reicht uns ans Gesicht — Wie der Geliebten Aufblick, schlägt sich auf — Uns gegenüber und zerstreut vielleicht — An uns sein Dasein, und wir sinds nicht wert.

„Vielleicht entziehts den Engeln etwas Kraft, — Daß nach uns her der Sternenhimmel nachgiebt — Und uns hereinhängt ins getrübte Schicksal. — Umsonst. Denn wer gewahrts?

„Und wo es einer — Gewärtig wird: wer darf noch an den Nachtraum — Die Stirne lehnen wie ans eigne Fenster? — Wer hat dies nicht verleugnet? Wer hat nicht — In dieses eingeborne Element — Gefälschte, schlechte, nachgemachte Nächte — Hereingeschleppt und sich daran begnügt?“

Die letzten Worte mit Härte niederschmetternd, schwieg der dunkle Sprecher vor den Gestirnen, und Georg, hingerissen und bis zum Weinen erschüttert, stammelte: „Ja, ja, ja! so ist es, es ist wahr, oh, hören Sie nicht auf, sprechen Sie weiter, es muß weiter gehn!“

Montfort schwieg, begann nach einem Schweigen, während Georg mit verschwimmenden Augen, vorgebeugt im Stuhl, zu ihm aufsah:

„Wir lassen Götter stehn um gohren Abfall, — Denn Götter locken nicht. Sie haben Dasein — Und nichts als Dasein, Überfluß von Dasein, — Doch nicht Geruch, nicht Wink. — Nichts ist so stumm wie eines Gottes Mund. — Schön wie ein Schwan — — Auf seiner Ewigkeit grundloser Fläche — So zieht der Gott und taucht und schont sein Weiß ...“

Georg fühlte Tränen über sein Gesicht laufen und wehrte ihnen nicht. Nie, dachte er, in keinem Traum erfuhr ich solche Wonne der Tränen. Siehe, da stand Montfort groß und schwarz vor den beweglichen, schlagenden, strömenden Sturzfalten von Nacht und Gold, und es war, als ob er sänge:

„Nur der Gott! — — Wie eine Säule läßt der Gott vorbei, verteilend, — Hoch oben, wo er trägt, nach beiden Seiten — — Die leichte Wölbung seines Gleichmuts ...“

Georg, von kalten und wilden Schaudern überronnen, schloß die Augen. Wie war es? wie hieß es nur? Auf seiner Ewigkeit grundloser Fläche, so zieht der Gott und taucht und schont sein Weiß ... Oh ... oh! schont sein Weiß! Es war kaum zu ertragen. An allen Gliedern gelöst, fühlte er sich in ein grundlos Weiches mit unsäglicher Wollust einsinken, hörte aber jetzt laut durch das Sausen und Singen in seinen Ohren drei starke Schläge gegen eine Tür. Wild zusammenfahrend, setzte er sich auf. Niemand war bei ihm.