Renate, ein wenig hochmütig über diese äußerliche Art, zu sehn, sagte, wie ihr selber schien, einfältig: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt, Jason.“
„Es sieht doch aber gut aus,“ versetzte er beharrlich, „ihr kennt nur viel zu wenig meine Vorliebe für schöne Gegenstände. Jetzt zum Beispiel habe ich Lust, Brahms’ deutsche Tänze zu hören. Ich glaube fast, ich bin deswegen hergekommen.“
Renate blickte kopfschüttelnd und forschend Ulrika an, aber die erhob sich gleich, stand frei da und sagte: „Gern, Jason, wenn Renate will ...“
Da dachte sie, daß Jason doch wohl insgeheim das Rechte meine; daß es gut sei, eine Zeitlang die Ohren mit schönem Geräusch zu füllen und das Herz zu erleichtern, sie nahm Ulrikas Arm und wollte sie durch das Gebüsch auf den Weg ziehn, doch mußte sie sich noch einmal umdrehn, da sie Jason sagen hörte: „Was liegt denn da?“
Im hohen Grase lagen zusammen eine Schildpattspange Renates, eine Holunderdolde und zwei grüne Kastanien, ein seltsam armes Häuflein, wie Spielzeug von einem Kinde, das plötzlich fortgerufen wurde.
„Blumen, Früchte und eine Spange,“ sagte Jason, sich bückend, nahm die Spange auf und gab sie Renate, indem er leicht bemerkte: „Das übrige Spielzeug kann da liegen bis nächstes Jahr; vielleicht findens dann andre Kinder und spielen damit.“
Jason wußte, schiens, wieder alles.
Kapelle
Sie saßen in der Kapelle an den beiden Flügeln, im rechten Winkel zu einander, so daß sie sich sehen konnten, und spielten ohne Noten einen der heiter und festlich stampfenden Tänze nach dem andern, zuweilen sich zulächelnd, so daß Renate heitrer gestimmt, wenn Ulrikas Gesicht leicht emporgedreht von ihr abgewandt war, durch die laute Musik wieder ihre leise, fast nur atmende Stimme hörte, mit der sie den reinen Gesang ihrer Liebe aus sich schöpfte.
„Bravo,“ sagte Jason, als sie geendet hatten, „das hat mir sehr gefallen. Es ist doch sehr sonderbar und kaum zu begreifen, wenn man so vier Hände sieht, immer zwei ganz für sich, springend hin und her, greifend und tanzend, und dann diese ordentliche, sinnreiche Musik hört. Aber dieser Brahms ist nun weiß Gott und wahrhaftig wie schöne Kleider. Darin ist er Feuerbach wieder ähnlich, Feuerbach ist auch lauter schöne Kleider und kein Herz.“