„Wie still sind die Menschen unten,“ sagte sie, „es war ganz schön hier oben.“

Georg drehte sich um und sah das schweigsame Gedränge unten in dem fremden Licht.

„Angenehm, daß sie mich nicht erkannt haben,“ sagte er leise, „ich nahm einen Wagen ohne Abzeichen. Es ist gräßlich warm, findest du nicht?“ Er trocknete sich die nasse Stirn mit dem Taschentuch. Josef, Jason, Saint-... „Komm, Magda, wir sehen alles an,“ sagte er heiser, „oder möchtest du tanzen? Im kleinen Schloßhof in Herrenhausen wird getanzt.“ Er drängte sie am Arm neben sich her, durch die Halle, die breite Treppe hinauf, bunte Trachten, Masken liefen vorüber, andre stiegen mit ihnen, stießen zusammen, drängten sich, — sie stiegen langsam Stufe um Stufe.

„Ich glaube, Magda,“ seufzte Georg, „uns ist Beiden nicht nach Masken und Tanzen zumute, aber du weißt ja,“ schloß er bitter, „ich trage eine Maske mein ganzes Leben.“

„Oh, Georg,“ sagte sie schmerzlich, stehen bleibend, „glaubst du denn unrecht zu tun?“

„Ach, unrecht,“ meinte er wegwerfend, „das sind alles so Ausdrücke.“ Die Hand am Treppengeländer, beugte er den Nacken und starrte auf die Stufen hinunter. „Wenn du in einem Buch liest: Ehebruch, dann weißt du gleich, um was es sich handelt, und hast Urteil und alles bei der Hand. In Wirklichkeit hat man vielleicht einen Mann, den man haßt, und ein verkehrtes Leben und liebt einen Andern, und all das verschmilzt sich zu einem schrecklich leidigen und treibenden Gefühl, aber mit Ehebruch hat es gar nichts zu tun.“

„Nun, Georg, wenn das wahr ist, so ist es mit deiner Maske wohl dasselbe.“

„Komm weiter“, bat er leise, in dem Gefühl, daß sie recht habe, ohne es sich selber zugeben zu wollen.

„Ich muß dir verschiedenes erzählen“, sagte er, als sie oben in der Halle waren und gegen die Tore vorgingen, durch die es von Masken wimmelte, die er kaum ansehn mochte, ein so widriges Empfinden erregten sie ihm. Von unten ertönte gedämpfte Musik, sie standen über einem Gewimmel von unzählbaren winzigen Lichtern, roten, weißen, grünen und blauen, darin lag der weite Rasen unten, umringt von alten Bäumen; von oben und bei der Dunkelheit sah es wie ein Wald aus, Georg fand es ganz schön. „Renates Vetter Josef“, hörte er Magda sagen, „ist wieder im Hause, jetzt ist er hier mit seinem Vater.“

„Hier?“