„Die Sonne spreitet hundert goldne Hindernisse, Delfin, Delfin, du überschaukelst sie getrost dahin ...
„Du wiegst dich schnelle durch das Ungewisse, denn deine Reinheit war von Anbeginn. — Du kamst voll großer Freude aufgetaucht, Lüfte küssend, trunkener Delfin, Göttern ähnlich, so erlaucht, weil die Strahlende erschien.
„Nun stehst du in Sternen vielleicht als uns funkelndes Bild, — näher der Ewigen als wir, bald in die Flamme getaucht, die uns den düsteren Scheitel umraucht. Wir sind das Wasser, sind hier ...“
Er hatte bei den letzten Worten die Fingerspitzen leicht auf ihre Hände gelegt, die noch auf seinen Schultern waren. Sie schwieg noch eine Weile, seinen Worten nachlauschend, durchschaudert und gekühlt von Schauen und Lauschen, aber indem sie zu sagen im Begriff war, wie glücklich sie sei, daß er wieder hier war, bewegte er sich unter ihr, streifte ihre Hände sanft fort und stand auf. Undeutlich erblickte sie nahe über sich sein Gesicht im Schatten, die entstellte Hälfte erschreckte sie nicht. „Laß uns nun gehn“, sagte er; sie nickte dankbar lächelnd und ging vor ihm hinaus.
Wehr
Bald waren sie im Finstern außerhalb des Gartens unter den Bäumen. „Gieb acht!“ warnte Josefs Stimme hinter ihr, sie fühlte seine Hand an ihrer linken. „Kannst du mich denn sehn?“ lachte sie leise. „Dein weißes Kleid“, hörte sie sagen, glitt ihm davon, wäre aber fast an einen Pfosten der Schaukel gestoßen, sah nach oben blickend das Schwarze des Gerüstes gegen die mattere Dunkelheit und zwei Sterne, wandte sich und sagte: „Hier ist die Schaukel.“ Er antwortete nicht. Sie fragte: „Josef?“ „Hier!“ hörte sie weit rechts hinter sich seine Stimme, drehte sich, ging weiter, vorsichtig um den Schatten eines breiten Baumstamms, fühlte die harten Falten der Borke und sah Josefs Schattengestalt unter sich im Freien gegen den grauen Grund der Wiese. Wie kühl war es hier schon! — Sie holte ihn ein, seine feierliche Stimme klang wieder in ihrem Ohr: O du Delfin des Lichts! — — So hatte die Heimkehr zum Vater ihn doch tiefer ergriffen ... Aber, als sei noch ein andrer Ton in seiner Stimme gewesen, mußte sie nun, die rechte Hand in seinen Arm schiebend, sagen: „Du hast so abschiednehmend gesprochen, Josef, als wolltest du morgen schon wieder davon.“
„Nun, wie lange meinst du denn, daß ich bleibe?“ fragte er freundlich. Sie konnte nicht antworten, da sie sich nun fragen mußte, ob hier wirklich eine Stätte für ihn sei, und so wanderten sie wortlos weiter auf dem Sandweg. Der Himmel war besät mit den Sternen, die klein waren im warmen Dunst der Nacht; dunkel lagen die Wiesen. Josef blieb stehn, gleich darauf auch sie, sich zu ihm wendend.
„Höre einmal,“ sagte er leicht, „was ich noch fragen wollte ... Wußte —, oder sagen wir: weiß Erasmus eigentlich, daß du mit dem Herzog verlobt bist?“
Renate versuchte sich zu besinnen. „Ja, warum fragst du? Ich glaube wohl. Nein — das heißt, — ich sagte es ja bei Tisch, als er nicht da war.“
„So“, bemerkte Josef, vor seine Füße blickend. „Ich dachte, als du im Zelt —“