Find’t mich doch keiner, der eilig und gut

Um mich den Mantel der Zärtlichkeit tut ...

Die Stimme schwieg, das Klavier suchte murmelnd und ein wenig schnüffelnd wie ein unruhiges Tier im Baß, Renate öffnete die Augen, glaubte Schritte zu hören, da erschien die rote Uniform und das Gesicht des Herzogs mit fragenden Augen. Es waren noch Menschen da, aber er schloß die Tür hinter sich. Renate bewegte sich nicht, sah ihn nur unendlich erquickt und beruhigt an, nur mit ihrer Haltung andeutend, daß gesungen wurde und nicht zu stören sei.

„Der mich ins Zimmer trägt, mir in die Hand —“ hörte sie wie vorhin, die Worte entgingen ihr, gegen Ende stand sie langsam auf, der Herzog bewegte sich vor, und sie faßte seine Hände. Es war still.

„Danke schön, Benno,“ sagte Renate den Kopf neigend, „dank Ihnen tausendmal, kleines Fräulein! Und — Benno, — mir ist etwas eingefallen, — ich möchte Sie gern um etwas bitten ...“

Sie sah das Mädchen bittend an, die verstand, nickte Benno zu, rief: „Ich warte auf der Terrasse!“ und lief mit halbem Knicks vor dem Herzog hinaus.

„Dies ist Benno Prager,“ erklärte Renate, „du kennst ihn wohl ...“

Benno mußte in seiner tödlichen Verlegenheit herkommen und dem Herzog die Hand geben. Da wurde wieder der Boden und alles umher weich und löste sich um sie, auf einmal saß sie, sah das besorgte Gesicht des Herzogs nahe über sich, drückte ihm die Hände und sagte leise: „Nichts — fragen, Liebster, ich — ich darf noch nicht denken. Nur ein wenig ausruhn!“ bat sie müde. Mit geschlossenen Augen raffte sie nun ihre Gedanken zusammen, merkte, daß hinter ihr etwas Hinderndes war, an das sie nicht rühren durfte, öffnete die Augen und sagte:

„Es ist nur, — ich kann nicht zu Hause schlafen heut nacht. Ich dachte erst an dich, aber —“ es gelang ihr zu lächeln — „was sollst du mit mir? Benno, nicht wahr?“

„Aber,“ fiel der Herzog ein, „Georg kann ja im Stadtschloß — — ja,“ unterbrach er sich, „was das nur mit Georg sein mag?“ Und nun glaubte Renate zu erkennen, daß er selber in Aufregung war. „Ist etwas mit Georg?“ fragte sie.