„Ach ...“ Er zauderte. „Ich weiß ja nicht. Er ist verschwunden. Um Mitternacht sollte doch große Huldigung sein vor der Universitätsterrasse, im Garten, und jetzt gehts auf Viertel —“ Er warf den Arm aus dem Ärmel vor, um nach der Uhr auf seinem Handgelenk zu sehn, und murmelte erschreckt: „Gleich halb eins.“
Renate schwieg und mußte die Augen schließen vor Schwäche. Sie hörte sprechen, es rauschte in ihrem Gehör. Die Lider mühsam aufbringend, sah sie aus weiter Ferne den Herzog und Benno miteinander sprechen, doch kamen sie näher, als sie selber den Mund öffnete.
„Wir können vielleicht“, sagte sie, „so lange in Georgs Zimmer sein, bis bei Benno zurechtgemacht ist, — Benno, nicht wahr? Sie haben ja einen so schönen Diwan ...“
Benno schien erlöst, daß es nicht sein Bett sein sollte, rang die Hände und konnte vor Dienstbereitschaft, Peinlichkeit und Wonne kein Wort hervorbringen.
Alessandro Stradella ... las Renate fortwährend in kleiner, mickriger Kreideschrift an der Wandtafel, dahinter eine ausgewischte Jahreszahl und, etwas darunter: Pugiani. — Alessandro Stradella, sagte der Herzog nun, — was wollte er denn damit? — Sein Gesicht und das Bennos entfernten sich unaufhörlich und schwebten wieder näher, — nein, um Gottes willen, flüsterte Renate sich zu, du mußt dich doch zusammennehmen!
„Wollen wir gehn?“ fragte sie und sah lächelnd vom Einen zum Andern. „Ihr dürft mich nicht auslachen, daß ich so mitten in der Nacht ankomme! — Benno, und wie reizend war das kleine Lied!“ Sie lachte leise, erhob sich, wäre aber zurückgesunken, wenn sie nicht allen Willen aufgeboten und sich zornig angeherrscht hätte. Sie ging mit halbgeschlossenen Augen, an der Treppe nahm sie Bennos Arm, bald darauf saß sie in einem Wagen und fühlte, daß er rollte. Es dauerte nicht lange, sie sah Benno vor sich aussteigen, nahm seine Hand und trat auf die Erde. Dann war sie in Georgs Zimmer, das sie erkannte.
Schlafzimmer
Sie saß in einem Sessel und sah undeutlich den roten Rücken des Herzogs sich entfernen, ein Türrahmen war herum, er wurde kleiner in einer andern Tür, die Augen fielen ihr zu, sie öffnete sie wieder, da sie die Stimme des Herzogs nahe über sich hörte. Sie sah ihn lächeln, während er sagte:
„Dieser Georg! Hier hat er noch ein Zimmer, komm nur, das ist wie für dich erfunden.“
Sie stand müde lächelnd auf, nahm seinen Arm und ließ sich davonführen. Es ist wie als Kind, dachte sie ergeben, die Augen geschlossen, wenn ich mit Vater blind spielte ... „Kann ich nun aufmachen?“ fragte sie leise, öffnete die Augen und sah den Herzog lächeln ohne zu verstehn.