Nahe vor ihr stand ein Diwan, dunkelviolett wie ihr Kleidrock mit lichtfarbigen Kissen. Große schwarze Reiher flogen schön über Vorhänge, und hinter dem Herzog war das gelblichweiße Gewoge und Gewölk eines großen Himmelbetts. Sie sah es zweifelnd an, witterte leicht mit der Nase und sagte: „Ich weiß nicht ...“

Langsam gegen das Himmelbett vorgehend, blickte sie zwischen den gerafften Falten hinein und sah einen schönen und großen, blauen Schmetterling auf dem Kopfkissen stecken. „Nein, sieh, Woldemar,“ sagte sie, „das scheint doch für jemand anders ...“

Plötzlich kreiste das Bett vor ihr, der Schmetterling wurde zu vielen, die sich auseinander schoben und umher zuckten, sie fiel vornüber und sammelte den Rest ihrer Kraft, um den Schmetterling nicht zu zerdrücken, faßte darunter, fühlte sich im selben Augenblick aufgehoben und sanft niedergelegt. Eine Weile war es schwarz um sie her, aber sie konnte die Lider wieder heben. Der Herzog stand deutlich vor ihr, besorgten Auges, sie fing an, die Ordensreihe auf seiner Brust zu zählen, deren Kreuze übereinander gelegt waren. „Wie die Schmetterlinge“, sagte sie ganz leise und sah, daß sie den blauen noch in der Hand hielt. Sie steckte ihn mit schweren und lahmen Händen auf den Brokatstreifen vor ihrer Brust, die Augen fielen ihr darüber zu, sie dachte erschreckend: ich muß es ihm doch sagen, er muß es doch wissen! Schon saß sie wieder aufrecht, blickte hart und fest in seine Augen empor und sagte, kaum ihre Stimme vernehmend:

„Du mußt noch wissen ... Es ist etwas — geschehn. Nein, laß nur,“ wehrte sie todmüde ab, da er eine beschwichtigende Bewegung machte, „einmal muß es doch sein. Nun — mußt du — ganz verstehn,“ brachte sie in Absätzen hervor, „willst du?“ Er nickte.

Eine Weile war alles fort, sie konnte sich an nichts mehr erinnern. Endlich dämmerte es langsam wieder, sie hielt sich mit beiden Augen an den verschwimmenden Linien der weißlichen Wässerung in einer orangefarbenen Schärpe und sagte, seine Hand fassend:

„Josef ist — tot. — Erasmus ...“

Da merkte sie, daß ihr Kopf sich ganz tief neigte, und dann lag sie wieder. Sie brachte mit unsäglicher Mühe die Lider hoch, sah das Gesicht des Herzogs und hörte ihn, gütig zuredend, sagen: „Nun mußt du aber schlafen ...“

„Erasmus“, flüsterte sie sehr leise, „ist böse, nicht?“ Der Herzog nickte und nahm ihre Hand. „Aber Josef,“ sagte sie heller und froh, „Josef ist gut! Ist er nicht gut?“ fragte sie, sich schnell aufrichtend.

„Liebes Kind,“ hörte sie den Herzog sagen, „du drückst mir das Herz ab, es ist ja nun genug! — Mein Gott,“ stöhnte er ganz erschüttert, saß da neben ihren Füßen und hielt die Stirn in der Hand, „mein Gott, es ist ja fürchterlich, wie du dich aufrecht gehalten hast!“

Ach, dachte Renate, da ist schon wieder einer, dem ich den Kopf streicheln soll! — Sie legte die Hand auf sein Haar und hörte sich ferne sagen: „Haltung, lieber Freund, giebt es ganz umsonst, wenn das Schicksal seinen Tribut — —“