Es ist der Teufel hieraußen selber mit neuen bösen Teufeln besessen, brennt und thut Schaden, das schrecklich ist. Meinem gnädigsten Herrn ist im Thüringer Wald mehr denn tausend Acker Holz abgebrannt und brennet noch. Dazu kommt heute Zeitung, daß der Wald bei Werda auch angegangen sei und viel Orten mehr; hilft kein Löschen. Das will teuer Holz machen. Betet und lasset beten wider den leidigen Satan, der uns sucht nicht allein an Seele und Leib, sondern auch an Gut und Ehre aufs allerheftigste. Christus, unser Herr, wolle vom Himmel kommen und auch ein Feuerlein dem Teufel und seinen Gesellen aufblasen, daß er nicht löschen könnte, Amen.
Ich bin nicht gewiß gewesen, ob Dich diese Briefe zu Wittenberg oder zu
Zulsdorf würden finden; sonst wollt' ich geschrieben haben von mehr
Dingen. Hiemit Gott befohlen, Amen. Grüße unsere Kinder, Kostgänger und
alle. Montags nach Jacobi (26. Juli) 1540.
Dein Liebchen
M. Luther, D.[341]
Um diese Zeit begann eine neue Sorge für Käthe. Ihrem Bruder Hans wollte es auf Zulsdorf gar nicht glücken. Daher kaufte sie ihm Zulsdorf ab. Aber sie mußte auch ihres Mannes vielfache Beziehungen zu fürstlichen Höfen angehen, um ihm wieder einen Hofdienst zu verschaffen, sei's in Preußen, sei's in Sachsen. Luther konnte das mit gutem Gewissen, denn Hans von Bora war keiner von den großmäuligen „Scharhansen“, wie sie in dieser Zeit massenhaft aufgekommen waren. Aber vielleicht eben wegen seiner Frommheit hatte er Unglück. Ein Gegner Luthers verdrängte ihn von seinem Vorsteheramte am Neuen Kloster in Leipzig, bis er endlich einen Teil des Klostergutes in Crimmitschau überkam[342].
Im Herbst dieses Jahres (1540) suchte die Stadt Wittenberg ein Fieber heim, das zwar selten einen tödlichen Ausgang nahm, aber so ziemlich alle Bewohner ergriff. Bugenhagen war so krank, daß Luther für ihn sein Pfarramt versehen mußte. Im eignen Hause waren zehn Todkranke und dazu fühlte sich der Hausherr selber „alt und schwach“. Da konnte wieder Käthe ihre Sorge und Pflege anwenden[343].
Zu Ostern des folgenden Jahres (1541) wurde die Umgebung Wellenbergs erschreckt durch Brandstiftungen und allerlei Vergiftungserscheinungen, indem die Lebensmittel: Wein und Milch mit Gift und Gips gemischt wurden. Es wurden allerlei Leute verhaftet und gefoltert, auch in Wittenberg zwei Leute geröstet — ohne die Ursachen und die Urheber zu entdecken. Luther fühlte sich in diesem Jahr gar nicht wohl, so daß der Kurfürst ihm sogar einmal zwei Aerzte schickte und er am Dreikönigstag des folgenden Jahres (1542) sein Testament machte[344].
Noch eine Freude erlebten die Eheleute zu dieser Zeit: die Enkelin von Luthers Schwerer, Hanna Strauß, die in der Familie erzogen war, wurde mit M. Heinrich von Kölleda im Dezember 1541 verlobt, nachdem die Pflegeeltern die Verlobung des Dr. Jakob Schenck (später als Luthers Gegner „der Jäckel“) abgewiesen hatten. Zu dem Verlöbnis kam gerade von den Anhalter Fürstenbrüdern ein Wildschwein, als Luther eben gebeten hatte, wenn es möglich und thunlich wäre, ihn zur Hochzeit „etwa mit einem Wildbret zu begaben, denn ich einer Hausjungfrauen, meiner Freundin (Verwandten) soll zu Ehren helfen in den hl. Stand der Ehe“. Am 30. Januar 1542 wurde Hochzeit gemacht, die letzte in Luthers Haus. Amsdorf u.a. schickten Hochzeitsgeschenke, und weiteres Wildbret von Anhalt wird nicht gefehlt haben[345].
Aber zu gleicher Zeit (1541) starb auch nach nur vierjähriger Ehe D.
Ambros. Berndt, der Gatte der Magdalene Kaufmann, der Muhme Lene der
Jüngeren. Die junge Witwe machte sich nun zum großen Verdrusse der
Lutherischen Verwandten an einen sehr jugendlichen Mediziner, Ernst
Reichet (Reuchlin), der noch studieren mußte und heiratete ihn auch nach
Luthers Tod, so daß sie eine zeitlang in rechte Bedrängnis geriet, bis
ihr Mann eine ehrenvolle Stellung erwarb[346].
Auch Lenes Bruder, Cyriak, bereitete Luther großen Aerger, indem er nach dem Beispiel von Melanchthons und Dr. Beiers Sohn ein heimliches Verlöbnis einging, was die Wittenberger Juristen als giltig anerkannten[347].